nature-classic

Traunstein, 1691 m. Zirla

Geheimpfad auf den „Torwächter des Salzkammergutes“.

Oberösterreichische Voralpen, Salzkammergut, Gmunden. Aufstieg 1300 Hm.

P 500 m südl. des Gasthof Hoisn am Traunsee-Ostufer – ein kurzes Stück am Hernlersteig – Forststraße nach N zum Fuß des markanten Adlerhorst – am Fuß der N-Wände Steig hinauf in den Sattel östl. der Adlerhorst-Spitzen – Zirlasteig. An einer Felsgruppe im Hochwald die Schlüsselstelle: eine wenige Meter lange, abfallende Wandquerung zur Fortsetzung des Waldsteiges, kleine Haltepunkte (III-) – Zirlaschlucht – Ausstieg am obersten Hernlersteig – Gmundner Hütte am Fahnenkogel – Ü Pyramidenkogel (Traunsteinkreuz) – Gmundner Hütte – Hernlersteig zum P.

ÜbersichtKarteder Traunstein von NW mit Zirla und Hernlersteigder Adlerhorst, markantester Felsturm der Kaltenbachwildnis am NW-Fuße des Traunstein; im Sattel dahinter beginnt der Zirla-Anstiegschon nach wenigen Minuten erreicht man den pittoresken Aussichtspunkt der Überraschung

… Vorgestern hab‘ ich den Traunstein bestiegen! Schon am Fuße des Berges hat mich eine Art Freudenrausch ergriffen, denn ich ging voraus und kletterte die Stiege mit solcher Eilfertigkeit hinauf, dass mir der Jäger oben sagte: „Das ist recht! So halt! Weil Sie da herauf so gut gekommen sind, werden sie auf den Traunstein wie ein Hund hinauflaufen!“ …  Das war einer der schönsten Tage meines Lebens; mit jedem Schritte bergan wuchs mir Freude und Mut …

vor der Kulisse des Höllengebirges späht Erich über den See ...... nach Altmünster; der Felszacken rechts unten ist der Gipfel des Adlerhorstdurch eine steinerne Märchenlandschaft windet sich der schmale, aber gut erkennbare Zirlasteig den Hochwald emporBlick über den Traunsee nach Traunkirchen, auf die Sonnsteine und das Tote Gebirge

Der Traunstein ist und bleibt der Haus- und Kultberg nicht nur der Gmundner, sondern des Großteils aller Oberösterreicher. Kaum ein seilbahnfreier Berggipfel in Österreich wird es auf mehr oder prominentere Besucher bringen: Der vielseitig begabte Maximilian I. erstieg den Kalkkoloss über dem Traunsee schon im Jahr 1506, lange vor dem Erwachen des modernen Alpinismus; der Kaiser veranlasste übrigens auch die erste Höhenmessung. Der Flachländer Nikolaus Lenau erklomm den Berg 1831, also ein Jahr vor seiner freudlosen Amerikareise. In der Neuen Welt sollte er Land für eine Farm kaufen, seine Hoffnung auf finanziellen Gewinn in Freiheit und Demokratie wurden aber auch jenseits des Ozeans zerstört, schon ein Jahr später kehrte er verbittert über die „himmelanstinkenden Krämerseelen, die mausetot für alles geistige Leben sind“ nach Europa zurück.
Lenaus Schaffen war geprägt vom Streit um politische und religiöse Freiheit, aber auch von Weltschmerz und Einsamkeit, von der leidenschaftlichen Liebe zur Frau seines Freundes. Die Zitate stammen aus Lenaus Brief an seinen Schwager - dem wahrscheinlich wertvollsten Traunsteindokument. Sie belegen eindrücklich jene beruhigende Wirkung der Berge auf das Gemüt selbst jener Bedauernswerten, die zum Pessimismus quasi verurteilt sind oder gar - wie im Falle Lenaus - im Irrenhaus enden. Mit Sicherheit haben auch viele von uns Glücklicheren diesen heilenden Einfluss schon wahrgenommen, in turbulenten Zeiten, wo sich einfach kein besseres Ventil für die Psyche findet als eine ordentliche Tour.

… Die Minute, die ich auf jenem Rande stand, war die allerschönste meines Lebens, … das Höchste, was ich bis jetzt genossen …

Zirla – dieser ungewöhnliche Anstieg durch die NW-Wände des Traunstein ist so verlockend wie sein Name; die etwas gefinkelte Wegfindung lässt sich mithilfe der folgenden Bilder und den ergänzenden Texten in den Griff kriegen.

eine der bizarren Felsgruppen im Hochwald lässt sich nicht umgehen; durch eine schmale Scharte zwischen diesen Drachenzähnen ...... erreicht man die Schlüsselstelle des gesamten Anstiegs, ...... einen kleingriffigen, leicht fallenden Quergang, ...... an dem man auf keinen Fall stürzen darf; im Zweifelsfall nur mit Seilsicherung!von der großen Waldschulter, dem sogenannten Zirlaberg, überblickt man die obere Hälfte der Route - die Zirlaschluchtgleich hinter einem kleinen Sattel zwischen Hochwald und eigentlichem Felskörper des Traunstein erklettert Ulli das kurze, aber steile Einstiegswandlwir erreichen ein schmales Band ...... und verfolgen es sogleich um eine Eckehier nicht horizontal weiterqueren, sondern in die scheinbar dichten Latschen hinter Ulli, drei Meter nach einer Gedenktafel, hinaufklettern!

Auf diesem Band kurz oberhalb des Einstieges passieren die meisten Verhauer. Erich konnte im Mai 1975 eine Familie aus Schwanenstadt, die zu weit unter den Schluchtabbruch hinübergequert war, aus misslicher Lage befreien. Der Vater der siebenjährigen Susanne hatte den Zirlasteig seit zwanzig Jahren nicht mehr begangen und Mutter und Tochter am berüchtigten Latschendurchschlupf vorbeigeführt. Den Eltern war anschließend nicht mehr wohl bei der Sache, Susanne aber zeigte sich bei der Fortsetzung der Tour an Erichs Seil absolut begeistert und wieselflink.

… Ich war begeistert. Wenn mein Führer sagte: „Jetzt kommt eine gefährliche Stelle!“, so lachte ich, und hinüber ging es mit einer Leichtigkeit, die ich bei kaltem Blute nimmermehr zusammenbrächte und die mir jetzt am Schreibtisch unbegreiflich vorkommt. Meine Zuversicht stieg mit jedem Schritte …

die Kletterei im Latschendurchschlupf ist steil, aber gutgriffigwenige Meter darüber landen wir in einer ausgeschnittenen Latschengasseunmittelbar danach betreten wir die Zirlaschlucht oberhalb ihres Abbruchsmehrere kurze Steilstufen erfordern interessante Kletterei bis zum oberen zweiten Schwierigkeitsgradbei einer Schluchtgabelung hält man sich rechts ...... und findet in weiterer Folge an der rechten Flanke einen guten Gämsensteig mit nur wenigen UnterbrechungenTiefblick durch die Zirlaschlucht auf den Traunsee mit dem Inselschloss Ortdie linke Begrenzung der Schlucht bildet der zerschartete Zirlagratweiter oben öffnet sich die Schlucht, auf einer breiten Plattenrampe findet man das RoutenbuchTiefblick auf Altmünster und Schloss Ortüber die letzten paar Meter des Hernlersteiges gelangt man schließlich zur Gmundner HütteBlick von der Gmundner Hütte nach SSW auf die Traunkirchnerkogelhütte ...... und nach S ins innere Salzkammergutim Sommer 1950 schleppten 800 Freiwillige 3,5 Tonnen Zement, Sand und Stahlteile auf den Traunsteingipfel. Zusätzlich wurden Hunderte Flaschen Wasser aus allen Teilen Oberösterreichs zum Mischen des Betons für den Sockel des gewaltigsten Gipfelkreuzes der Alpen hinaufgetragenBlick vom Pyramidenkogel, dem höchsten der drei Traunsteingipfel, nach N über das Hochkamp - einen ebenfalls sehr interessanten, unmarkierten Ansteig mit leichter Kletterei - auf den Laudachseeüber das Traunsteinplateau nach S

Abends um sechs Uhr ging es hinab, rüstig und schnell … Wir taten manchen lustigen Sprung und trieben allerlei Kurzweil. Besonders über ein Pflänzchen, auf der Spitze des Traunsteins gepflückt und Nimmernix genannt. Du erhältst es in diesem Briefe. Die Sennerinnen geben ihren Burschen, wenn sie von ihnen besucht werden, immer einen Blumenstrauß; findet sich darin dieses Nimmernix, so ist es nix …

zurück am Fuß des Traunstein - Blick vom unteren Teil des Hernlersteiges in die Kaltenbachwildnisdie Fünffingerspitze über der Kaltenbachwildnis

Sollte auf dieser Tour deine Kletterleidenschaft erwacht sein, dann empfiehlt es sich, beim nächsten Traunsteinbesuch den SW-Grat genauer in Augenschein zu nehmen.
(27.11.2009)

Literatur: Pichler/Stieb: Wander- und Kletterführer Traunstein und Umgebung. Naturfreunde Österreich. Linz: Oberösterreichischer Landesverlag 1977.
Lehr: Duell mit den Bergen. Linz: Rudolf Trauner Verlag 1977.

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