nature-classic

Hainboden, 1268 m. „Romantikerpromenade“, 2-3 + FILM

Ronja klettert ans Licht der Welt.

Rax, Höllental, Niederösterreich. Aufstieg 500 Hm (davon knapp 200 Hm Kletterei, 9 SL), zum Gipfel weitere 200 Hm Gehgelände.

P Kesselgraben, Bushaltestelle 2 km westl. Weichtalhaus, B27 9 km nw. Hirschwang an der Rax – Kesselgraben ca. 15 min aufwärts, rechts Stein mit rotem Punkt und „H“ (Hainbodenweg, ebenfalls 2-3, 9 SL), 100 m weiter abermals rechts Stein mit rotem Punkt und „R“ - Steigspuren leicht links aufwärts über Geröll zum felsigen Abschluss der Halde; ab hier erleichtern rote Punkte das Auffinden der Route. -
Vom Ausstieg rechts aufwärts und horizontal nach NO queren zu Steigspuren - den felsigen Waldkamm östl. hinunter, rote Punkte, Steinmännchen, Bandschleifen, die sich weiter unten möglicherweise verlieren ...
Laut ÖK existiert auch ein Jagdsteig, der das Kreuztal nach N überquert und die Höllental-Bundesstraße gut 700 m nördlich des P erreicht.

ÜbersichtKarte

„Mir gefällt bald etwas!“ - diesen unspektakulären Ausspruch würde man nicht unbedingt einem oberösterreichischen Extremkletterer zuschreiben, der mit seinen Erstbegehungen eine große Zahl an bestens abgesicherten Alpin- und Sportkletterrouten hinterlassen hat. Reichtum durch Bescheidenheit - so könnte man diese unzeitgemäße und doch effiziente Anschauung übersetzen; in den sonnseitigen Felsflanken des Großen Kesselgrabens finden wir eine Kletter(?)tour, welche diese Philosophie zu untermauern scheint.

ein typisches Motiv aus der Romantikerpromenade - Blick gegen das Klosterwappen (Schneeberg)nette Plattenstufen im Mittelteil (5. SL)Ulli in der 6. SL, Ronja noch 3 Wochen indoor

Die Liste möglicher Kritikpunkte ist freilich lang: geringe Wand(?)- und Seehöhe mit daraus resultierender, auch trotz emsiger Putzmoral unbesiegbarer Vegetation, inhomogenes Gelände mit großem Schrofenanteil, fast alle Kletterstellen lassen sich umgehen, am nicht klar zu definierenden Abstieg kann man sich dann auch noch schön verhauen ...
Nimmt man allerdings die Leistungs/Gewinnoptimierungs-Scheuklappen ab, entsteht spätestens am Abend nach der Tour ein völlig anderes Bild. Kurzer, romantischer Zustieg am Auslauf des Gr. Kesselgrabens, einer der berühmtesten Schitouren im Rax-Schneeberg-Gebiet, gleich nach der 2. SL Stand mit Routenbuch in einem riesigen Höhlenportal, trotz des vielen Gemüses jede Menge netter Kletterstellen, Henkelplatten, unzählige Sanduhren. Ein Weg für Alleingeher, die wieder einmal zu sich kommen möchten (schwierigste Stelle gleich zu Beginn rechts leicht zu umgehen). Oder für eine Familie, die wegen anderer Umstände nicht gleich die Segel streichen will: Nikolaus fotografiert, Raphael sichert vorbildlich unser ganz großes Mädel samt ganz kleiner Schwester, und Papa spürt, dass die emotionalen Herbstfarben heute generell in HD fluten - nicht nur in der neuen Sony. Ronjas Meinung zur Tour können wir in drei Wochen erfahren ...

der Gr. Kesselgraben gegen NO (Schneeberg)schon nach kaum einer halben Stunde stehen wir am Einstieg, ...... wo Raphael gleich die schwierigste Stelle der ganzen Tour checktder Quergang der 2. SL zum Stand im Höhlenportalschöne Sanduhrenplatten in der 5. SLNikolaus seilfrei in der 5. SLErich mit schwerem Gerät in der 6. SLRaphael führt die beiden Damen durch die gesamte TourImbiss am Fuß des AusstiegsspornesQuergang im obersten Teil, Blick aufs Höllentalder Abstieg ist nicht immer leicht zu finden - wir fackeln nicht lange herum und seilen zweimal ab

Noch so eine Tour, von der wir all jenen Bergsteigern dringend abraten möchten, welche Reinis  (und mittlerweile auch unserem) Geschmack nichts abgewinnen können: das „Hotel zum See“ auf der Raxhochfläche. Wer nach all dieser philosophischen Wellness-Softmoverei doch wieder ein paar Grade zulegen möchte, kann beispielsweise am Rohrauer Größtenberg seine Sehnen dehnen - und dort verstehen lernen, warum der Reini seine Heimat so sehr liebt ...
(27.10.2010)

Das anschließende Video kann als Pilotfilm zur Reihe Baby scales mountains gesehen werden. Im Verband ihrer künftigen Familie erlebt Ronja in den letzten Wochen vor ihrer Geburt intensive Erfahrungen mit Natur und Musik. Die Teilnahme an diesem Familienabenteuer und der körperlich spürbare Kontakt zu Saint-Saens Cellokonzert sind zwei außergewöhnliche Trittsteine auf ihrem Weg in unsere Welt.

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