nature-classic

Lasörling, 3098 m + VIDEOCLIP

Der lange Grat auf einen „Glanzpunkt der Ostalpen“.

Venedigergruppe, Lasörlingkamm, Hopfgarten und St. Jakob in Defereggen, Osttirol. Aufstieg 4000 Hm.

Der längste Anstieg auf diesen Glanzpunkt der Ostalpen (Hubert Peterka) vom südöstlichsten Eckpunkt des gesamten Kammes über zahlreiche Gipfel zwischen 2500 und 3000 m bietet eine großartige Überschreitung auf dem First hoch über dem eigentlichen Lasörling Höhenweg, der dabei nur kurz gestreift wird. Auf die Nächtigung bei der äußerst gastfreundlichen Familie Blassnig auf der preisgekrönten Glanzalm folgen zwei Biwaknächte im Zelt, da auf der Lasörlinghütte kein Platz verfügbar war. Diese Strategie beschert uns einerseits schweres Gepäck, andererseits aber auch jene Flexibilität in der Zeitplanung, welche unsere 20 Monate alte Ronja braucht.

ÜbersichtKarteam zweiten Tag der Tour überschreiten wir sämtliche Gipfel des östl. Lasörlingkammes von der Glanzalm (knapp rechts außerhalb des Bildrandes) bis zum Steinkassee auf der Rückseite des Donnerstein; Panorama von S (Zeigerle, s. Archiv Schitouren unter „Gagenhöhe“)Panorama des Lasörlingkammes von NO; wir überschreiten den Scheitel von links nach rechts, das erste Biwak liegt knapp rechts hinterm Donnersteinder Kammscheitel von W, vom Lasörling Hauptgipfel

1. Tag, Dölach - Glanzalm.

Exklusive Einheimischen-Gondel von Dölach in Defereggen hinauf zum Weiler Ratzell - Querung Blößegg - Glanzalm.

Karte Dölach - Glanzalm (erster Tag) und erster Teil der Überschreitung (zweiter Tag)die Glanzalm der warmherzigen Familie Blassnig verdient die Auszeichnung zu Recht

Ein origineller Auftakt zur Tour: In der kleine Gondel werden an sich nur Einheimische und „Personen in öffentlichem Interesse“ befördert, als Gäste der Glanzalm steht offenbar auch uns dieses Privileg zu. In der „Talstation“ sind vier Telefonnummern angegeben; falls niemand abhebt, hilft das Tourismusbüro weiter. Auf der Bergstation werden wir von einer freundlichen Dame in Empfang genommen, die uns samt Gepäck gleich noch 1,5 km weiter hinauf im Auto mitnimmt. Preis: 1,50 € pro Person all inclusive.
Die größte Überraschung des Tages folgt auf dem Fuße: Die Glanzalm in prachtvoller Lage (hoch überm Eingang des Defereggentales, tolle Sicht auf Villgratner Berge, Lienzer Dolomiten und Schobergruppe, der Glocknerblick kann in 5 min erwandert werden) hat die Auszeichnung zur „Alm des Jahres 2011“ absolut verdient. Nach telefonischer Anfrage werden wir von der gastfreundlichen Wirtsfamilie Blassnig beinahe luxuriös untergebracht (1 Doppelzimmer, 1 Kammer mit Stockbett). In der gemütlich warmen Stube kredenzt man selbstgemachte Spezialitäten des Hauses und natürlich das Osttiroler Falkensteiner Gösser, das bei uns innerhalb kurzer Zeit Kultstatus erlangt hat. Zum Frühstück gibt's gar die Hausplatte mit Schinken, Wildwurst, Käse und Ei, untermalt von den Flügelhornklängen zweier Weisenbläser auf der Hüttenterrasse.

wo man sich seine Gondel selbst bestellt: ...... ein Relikt aus der guten, alten Zeit - die kleine Privatseilbahn von Dölach am Eingang ins Defereggental hinauf zum Weiler Ratzellmühelos schweben wir hinauf ...... zum Ausgangspunkt unserer großen Lasörling-Tourder kleine Abstecher aufs Blößegg ...... lohnt sich schon allein wegen des schönen Blicks nach N aufs obere Iseltalüber den südöstlichsten Ausläufer des Lasörlingkammes spazieren wir hinauf zur Glanzalm nahe der Waldgrenze; links darüber das Rote Kögele, rechts der Gr. Zunigdie Glanzalm wird uns höchst angenehm überraschennicht nur aufgrund der prachtvollen Aussicht, hier gegen OSO auf Schobergruppe, Iseltal und Lienzer Dolomitenin ihrem für eine Almhütte beinahe luxuriösem Zimmer fühlt sich Ronja pudelwohlin Gesellschaft der Familie Blassnig verrinnt die Zeit wie im Flug

2. Tag, Glanzalm - Steinkassee.

SO-Kamm Rotes Kögele - Mele - Deferegger Riegel - Stanzling - Kreuzberg - Deferegger Höhe - Melspitze - Griften (Zupalkogel) - Donnerstein - Steinkassee.

Karte der letzten Etappe des zweiten Tagesder Aufstieg beginnt mit dem harmlosen SO-Kamm des Roten Kögele; im NO der wolkenverhangene Großglockner

Die längste Etappe der Tour startet mit einem gutmütigen Rücken auf den ersten von knapp zwanzig teils unbenannten Gipfeln, das Rote Kögele. Gleich dahinter wird der Grat überraschend alpin. Immer wieder zwingen scharfe Abbrüche zu Umgehungen, auf diese Weise sammeln sich bis auf den Deferegger Riegel schon einmal gegen 900 Hm. Hier mündet aus NO der vom majestätischen Gr. Zunig kommende Gratast, hier erblicken wir zum ersten Mal in weiter Ferne den markanten Doppelgipfel des Lasörling.
Auch in weiterer Folge kann etwas Gespür für die Wegfindung nicht schaden: Auf den gut begehbaren Strecken ist die Markierung ausreichend, aber gerade bei manchen unübersichtlichen Querungen wird sie oft einmal schütter, und für langes Herumsuchen ist nicht wirklich Zeit. Im Notfall kann man auf etliche markierte Abstiege ins Defereggen- oder Virgental zurückgreifen. Am Ende des langen Tages finden wir bestätigt, dass unser Skywalk über das östliche Drittel des Lasörlingkammscheitels den Höhenweg durch die Kare entlang dessen Nordflanke in jeder Hinsicht übertrifft. Sich selbst übertroffen haben sich auch wieder einmal die Mädchen: Die zarte Große hat mit gut einem Drittel ihres Körpergewichtes am Rücken auf 10 km Luftlinie 1800 Hm bewältigt, und die kernige Kleine hat uns - obwohl sie drei der acht Gehstunden verschlafen hat - guter Dinge den verträumten Steinkassee erreichen lassen.

alpine Baustelle für ein Jahrzehnt: Der Lawinenverbau an den steilen Südhängen soll Schutz für Ratzell und Dölach bringen; zu Beginn der Arbeiten war der Wanderweg sogar für ein Jahr gesperrt. Voraussichtliche Fertigstellung: 2018Blick vom Roten Kögele nach NNW zum Gr. Zunig (s. Archiv Bergsteigen)die grasigen Höcker des Melekammes ...... werden bald widerspenstig; auf dem abschüssig-erdigen Gelände der Nordseite umgeht man einen Teil der zerrissenen Gratschneideam Mele Ostgipfel; genau unterhalb des Deferegger Riegels der schlecht sichtbare grüne Zapfen des Hauptgipfelsauf dem Weg dorthin, diesmal an der Südseite, verkostet Ulli  den nächsten Leckerbissen, ein schmales, aber gut begehbares SchrofenbändchenMama und Ronja auf dem Deferegger Riegel; im NO Zunig (links) und Rotenkogel (beide im Archiv Bergsteigen), der Glockner noch immer in Wolkenvon hier haben wir erstmals unser Ziel vor Augen, wenn auch in weiter Ferneauf dem Grat zum Stanzling; Rückblick auf Deferegger Riegel, Zunig und Arnitzseedas verbleibende Kammstück des heutigen Tages; hinterm Donnerstein werden wir am Abend Biwak beziehenVorsicht am Kreuzberg! Schon am Grat vom Stanzling her muss eine etwas alpine, nordseitige Flankenquerung gefunden werden; auch der Ostgrat ist erdig und steil; am Gipfel steigen Erich und Ronja in die abschüssige Westflanke ein, der schwer zu sehende markierte Pfad leitet jedoch links (südlich) um den Gipfel herumauf der lang gezogenen Deferegger Höhe; Rückblick auf Torkogel (Mitte), Zunig und Kreuzbergin Marschrichtung überschreiten wir demnächst Melspitze und Griften (die Pyramide rechts der Bildmitte); rechts davon der Zwillingsgipfel des Lasörlingder Kamm will kein Ende nehmen; die Linie zeigt den morgigen Wegabschnitt vom Steinkassee zum Lasörlingder Kamm will kein Ende nehmen; die Linie zeigt den morgigen Wegabschnitt vom Steinkassee zum Lasörlingnördlich unterhalb die Zupalseehütte, im Hintergrund die zentrale Venedigergruppeam Donnerstein, dem letzten Gipfel für heuteder Steinkassee von SW; auf der grünen Zunge des rechten Ufers ...... finden wir unseren idealen Biwakplatzdas mitgeschleppte Bier verursacht bei Erich eine fatamorgastische Vision: Ronja, Ulli und der Lasörling mit Heiligenschein - Herz, was willst du mehrund die Mädels haun sich ab - na gute Nacht

3. Tag, Steinkassee - Lasörling - Gritzer Hörndle.

Merschenhöhe - Gosachtörl - Lasörlinghütte - Glauret - Lasörling - Lasörlinghütte - Virgentörl (Mullitztörl) - Gritzer Seen - Gritzer Hörndle.

Karte dritter Tag mit dem Abstecher zum LasörlingMorgenstimmung am Steinkassee

Am Steinkassee klinken wir uns in den Lasörling Höhenweg ein. Noch oberhalb der Lasörlinghütte, an der Gumpenlacke, finden Ronja und Mama einen idealen Spielplatz, während Roman und Erich ohne Gepäck den Abstecher am Normalweg auf den Lasörling machen. Gemeinsam geht's anschließend übers Virgentörl wieder hinüber auf die Deferegger Seite zu den Gritzer Seen. Nachdem die Zelte stehen, läuft Ronja auf eigenen Beinen noch den Großteil des Steiges zum aussichtsreichen Gritzer Hörndle hinauf.

die Kamele werden beladenwir befinden uns vorübergehend auf dem Lasörling Höhenweg, und zwar auf der Merschenhöhe zwischen Zupalseehütte und Lasörlinghütteauf der schönen Querung zum Gosachtörl, Blickrichtung W, den Lasörling kennen wir schonab sofort erscheinen die Gipfel des Lasörlingkammes zusehends wilder; an der Gumpenlacke werden Ronja und Ulli einen Spielvormittag einlegen, bevor wir gemeinsam übers Virgentörl wieder auf die Deferegger Seite wechselnknapp hinterm Törl der kleine Gosachsee mit dem LasörlingGumpenlacke gegen S (Virgentörl)ohne Gepäck (welche Wohltat!) geht's zur Lasörlinghütte hinunterwider Erwarten ist weder vor noch nach unserer Gipfelbesteigung Betrieb auf der HütteBlick vom oberen Glauret auf die Südflanke des Lasörling, durch die der Normalweg führt (knapp rechts der Mitte)aus der Südflanke wird der unverstellte Blick auf die Dolomiten freiRoman oberhalb der Scharte zwischen Süd- und Hauptgipfelam Gipfel tummeln sich an die dreißig Leute, sogar ein 10-jähriges Mädchen hat es aus eigener Kraft herauf geschafftspätestens jetzt wird klar, warum Hubert Peterka den Lasörling als ein Glanzstück der Ostalpen bezeichnet; wir beginnen das Gipfelpanorama im W: gestaffelt westlicher Lasörlingkamm, Panargenkamm und Rieserfernergruppeim NW die Rötspitze über dem Umbaltaldie zentrale Venedigergruppe im Nim NO der Frosnitzkamm; ganz hinten ums Kitzsteinhorn sind auch Sonnblick und Granatspitze auszumachenim ONO der höchste Berg Österreichs, ...... der jetzt endlich seinen Schleier gelüftet hatPanorama nach O, von wo wir gekommen sind; schon wieder ein Sonnblick, diesmal der Rauriserabschließend noch ein Blick nach SSW, wo sich hinter den höchsten Gipfeln der Villgratner Berge die Dolomiten türmenzurück auf der Gumpenlacke; Ulli und Ronja marschbereitbald haben wir das Virgentörl überschritten ...... und steigen hinunter zu den Gritzer Seenein schöner Biwakplatz ist schnell gefundendie Mädels sind noch nicht ausgelastet und sinnen auf einen Abendgipfeldas Gritzer Hörndle kommt ihnen da gerade recht, zumal es vor der Haustür liegtim See gibt's viele Fische zu entdeckenim Sattel knapp unterm Gipfel zieht der Blick das Defereggental hinaus nach O bis zum HochschoberRonja hat das Gritzer Hörndle fast ganz auf eigenen Beinen erstiegenwas ist denn das schon wieder?das Gipfelkreuz am Gritzer HörndleGipfelblick übers Tal nach SO ...... und SSW in die Villgratner BergeGritzer Hörndle gegen Wim NW taucht noch einmal der Lasörling auf, ...... und daran anschließend lugt sogar der Großvenediger ums Eckzurück am See, auf der nächsten Anhöhe stehen die Zelteals Tisch fürs Abendessen muss ein großer Steinblock herhaltenRonja nimmt das Zelt in Beschlag ...... und besteigt bald danach die nächsten Gipfel im Traum

4. Tag, Gasser Hörndle - St. Jakob in Defereggen.

Froditzen - O-Grat aufs Gasser Hörndle - Tögisch - St. Jakob in Defereggen.

Karte 4. Tag, Abstiegbevor wir endgültig ins Defereggental absteigen, kraxeln Roman und Erich noch schnell über den lustigen Ostgrat aufs Gasser Hörndle

Kurze, aber heftige Sturmböen kündigen bereits in der Nacht den Wetterumschwung im Laufe des nächsten Tages an. Ronja schläft im Zelt abermals wie ein Murmeltier und bekommt nichts mit von dem Getöse.
Mit Roman rennt Erich nach der Froditzen-Querung schnell die 130 Hm über den lustigen Ostgrat aufs Gasser Hörndle (herrlicher Blick auf den Hochgall und den geheimnisumwitterten Panargenkamm). Trotz Dauerlaufes holen sie die Mädchen erst 700 Hm tiefer im Hochwald ein. Unten in St. Jakob treffen wir eine visuelle Vorauswahl für unsere nächste Schitouren-Ferienwohnung. Während Ronja und die Männer sich anschließend die Bäuche mit Leberkässemmel vollschlagen, stoppt die leider nur mehr Zweithübscheste der Gruppe hinaus nach Dölach zur Privatgondel und bringt das Auto.

die Aussicht vom Gasser Hörndle gegen W auf den PanargenkammTiefblick vom Tögischen Berg auf St. Jakob in Defereggen, darüber der Hochgallvor den Toren von St. Jakob; im kommenden Winter wollen wir hier die umliegenden Schitouren ergründen
(16.-19.07.2012)

Hier der Baby scales mountains - Clip zur Tour.

Nächste Folge: Mit Ronjas Tourenschlitten auf die Gagenhöhe (Villgratner Berge).

Weitere Deferegger Touren im nature-classic-Archiv:
Almerhorn + VIDEO
Blindis
Deferegger Pfannhorn - Kärlskopf
Gagenhöhe (Schitour) + VIDEO
Großes Mandl (Schitour)
Happ (Schitour)
Hinterbergkofel (Schitour)
Hochkreuzspitze (Schitour)
Innerrodelgungge (Schitour)
Rote Spitze
Rote Wand (Schitour)
Seespitze
Wagenstein - Östl. Stortenscharte (Schitour)
Weißes Beil

[zurück]