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Anagagebirge

Wanderungen durch den urweltlichen Norden Teneriffas.

Santa Cruz, Punta del Hidalgo, Taganana, Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien.

P Taborno - Umrundung Roque de Taborno - Las Carboneras - Chinamada - Steig in der Flanke des Roque de Tenejias - Punta del Hidalgo.
An der N-Küste: Taganana - Almáciga - Benijo (Straßenende) - El Draguillo (Pistenende) - Las Palmas.

ÜbersichtKarteEl Bailadero, der Kreuzungspunkt der beiden Hauptstraßen im zentralen Anagagebirge; Blick gegen W: links Roques del Fraile, dahinter halb verdeckt Roque de Taborno - unser erstes Ziel, in Bildmitte Roque del Tablero, rechts unten Roque Marrubral

Der 20 km lange und über 1000 m hohe, oft mit Lorbeerwäldern bewachsene Gebirgszug über der nördlichsten Küste der größten Kanareninsel ist noch keine 10 Millionen Jahre alt. Mit seinen dunklen scharfen Drachenrücken-Graten und den begrünten, Hunderte Meter senkrecht ins Meer abstürzenden Steilwänden verrät dieses landschaftliche Juwel - seit 1987 Naturpark, später unter besonderen Schutz gestellt und seit 2013 UNESCO-Biosphärenreservat - seine vulkanische Herkunft und versetzt uns ohne viel Einbildungskraft weit weg in pazifische Inselwelten.
Für Exkursionen in das teils schwer zugängliche Gebiet stehen eine Aussichtsstraße entlang des Hauptkamms, einige wenige Stichstraßen zu entlegenen Bergdörfern sowie eine einzige bis hinunter an die Nordküste zur Verfügung - allesamt schmal und extrem kurvenreich. Das Netz an ausgeschilderten, markierten Wanderwegen ist - wie überall auf der Insel - ausgezeichnet, unzählige Variationen und Kombinationen sind möglich. Wir stellen euch eine längere Wanderung (auch in Teilstrecken begehbar) aus dem Westteil des pittoresken Berglandes vor und wechseln anschließend an den eindrucksvollsten Küstenabschnitt der Osthälfte.

der kleine Bergweiler Taborno, Ausgangspunkt zur Umrundung des gleichnamigen Felsens und der folgenden Traversierung des Gebirges nach W bis in die Hafenstadt Punta del Hidalgoder Ort liegt auf der Höhe eines steilen Kammrückens; Blick über die Osthälfte des Gebirgesder Kamm in Richtung N zum „Matterhorn Teneriffas“ wird ständig schmäler ...... und felsigerohne Kletterausrüstung scheint der Berg kaum bezwingbar, eine Art überhängender Ringwulst um den Gipfelkopf lässt auch die verlockend erscheinende Nordkante nicht ungeschoren; wir umrunden den Berg im Uhrzeigersinnin der Westflanke; der schmale, erdige Steig ist teilweise ziemlich ausgesetzt und bei Nässe gefährlichüber einen Sporn an der NW-Seite kommen wir ganz nahe an den Steilaufbau des Gipfels heran wir wechseln auf die Ostseite des Berges; diesem Küstenstrich gilt der zweite Streifzug dieses Beitragsder Ring ist fast geschlossen; Blick zurück aufs Bergdorf Taborno. An dieser Felsrippe haben wir ...... am Fuß einer treppenartigen Basaltrippe durch die Ostwand diesen „Standplatz“ aus der Zeit der Ureinwohner (Guanchen) vorgefundenUlli ist ob dieses „Fundes“ nicht wirklich traurig, dass wir das Kletterzeug im Auto gelassen haben, aber die Neugierde ist gewecktzurück im Ort beginnt die Querung auf altem Verbindungsweg durch Terrassenfelder zum nächsten Dorf: Las Carbonerasvon dort entweder über die schmale Straße oder den aussichtsreichen Höhenkamm Las Escaleras weiter ..... zu den Höhlenhäusern von Cinamada, wo der endgültige Abstieg ans Meer beginnt; diese Zwischenetappe ab Taborno kann auch mit dem Auto zurückgelegt werden; Zeitersparnis je nach Wegwahl etwa zwei bis drei Stundender Steig wird immer schmäler und romantischer ...... und führt meist in den steilen Flanken oder direkt am schmalen Ostgrat des Roque de Tenejias tieferdas Felsfenster am Ostgrat ...... und der Steig unmittelbar darunteram Grat kurz vor den Zwei Brüdernvon einer waagrechten Schulter ...sieht man in die jenseitige Steilflanke zum Atlantikin gemütlicher Steigung leitet der Pfad zwischen Grat und Barranco del Río ...... hinunter zur Schluchtmündung ins offene Meereine kurze Gegensteigung ...... mit Rückblick auf die Dos Hermanos ...... und wir erreichen den Ferienort Punta del Hidalgo mit seinen Naturbecken in den Uferklippenins kaum 40 km weiter östlich gelegene Chamorga, einem Bergnest mit ausgezeichneten Wandermöglichkeiten, ist man von Punta del Hidalgo wegen der unzähligen engen Kurven beinahe zwei Stunden unterwegsTaganana, der größte Ort über der entlegenen Nordküsteeine einzige Straße führt an diese urweltlichen Gestadedie Mädchen wollen hier im äußersten Nordosten Teneriffas die Strände checken und bis zum Ende der letzten Piste und darüber hinaus vordringenvorgelagerte Vogelfelsen und steile Basaltnadeln über der atemberaubenden Küste prägen das Landschaftsbild, ähnlich wie auf der südkoreanischen Pazifikinsel Ulleung-do (s. Archiv Bergsteigen unter Seonginbong)kurz vor Ende der Straße der winzige Küstenort Almáciga ..... und die Playa de Benijoalles rennet, rettet, flüchtet!hinter den paar Häusern von Benijo ...... wird die Straße zur Pisteund nach dem Außenposten El Draguillo kommt man nur mehr auf teils abgerutschten Pfaden hoch über der Küste weiterder Roque del Dentro und die landwirtschaftlich genutzte Terrasse von Las Palmas im äußersten NO der Insel; etwa 15 km weiter um's Eck nach Süden ...... kann man per Boot wieder in die Zivilisation eintauchen: Playa de las Teresitas bei San Andrés, einem Vorort der Hauptstadt Santa Cruzdie Damen laufen auf vielen Schiffsladungen feinsten Saharasandes, der 1970 von den Stadtvätern aus der damals spanischen Kolonie Westsahara herbeigeschafft wurde
(12.2014)

Literatur: Wolfsperger: Teneriffa. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. München: Rother Wanderführer 2012.

Allgemeine Reise-Infos sowie Links zu weiteren Touren auf Teneriffa findet ihr zu Beginn bzw. am Ende des Beitrags zum Teide Nationalpark.

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