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Barranco Seco - Los Gigantes

Eine der tollsten Küstentouren unseres Planeten.

Los Gigantes, Tamaimo, Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien. Aufstieg 700 Hm.

P Tamaimo, 50 km südw. v. Puerto de la Cruz, 35 km nördl. v. Los Cristianos. Nette Papas parken unten in Los Gigantes am Ende der Calle Tabaiba und rennen die 400 Hm den Barranco de Santiago hinauf zum - 1. Tunnel (Länge 1200 m, Stirnlampen!) - Barranco Seco: vom Tunnelausgang das kleine Schuttkar hinunter (grüne Punkte) und vor dem ersten kleinen Abbruch links hinaus zum Schluchtsteig - rechte, dann wieder linke Schluchtseite - abgedeckter Wasserkanal, 215 m (Abzweigung zum 2. Tunnel, wichtig für den Rückweg!) - untere Schlucht (oftmals leichte Kletterei, ein Abbruchquergang im untersten Teil Schwierigkeitsgrad 2, ausgesetzt) - Barranco-Seco-Bucht - Wiederaufstieg 200 Hm zum 2. Tunnel (Länge 1000 m, am Ausgang zahlreiche Gefahrenhinweise) - Querung der Steilküste Ladera de Nifa auf teils schmalen, abschüssigen Bändern, immer wieder Gegensteigungen - Los Gigantes.

ÜbersichtRelief von Westentypische Topografie im wilden Westen Teneriffas: Von den Steilflanken des 1318 m hohen Pico Verde nordwestlich von Santiago del Teide ...... ziehen begrünte Lavahänge hinunter in die mittlere Etage ...... zum kleinen Ort Mascavon den Haustüren weg stürzt der wilde Barranco de Masca, die vielleicht berühmteste Schlucht Teneriffas, 700 m tief ...... zum Atlantik hinunter; sie ist nicht der einzige, wohl aber der überlaufenste Canyon dieses spektakulären Inselteils, deshalb fällt unsere Wahl auf den parallel laufenden Barranco SecoKartedie Playa de Barranco Seco versteckt sich hinter dem dunklen Felsgrat in Bildmitte; wir durchstechen im letzten Teil der Wanderung die Wand rechts davon in einem 1000 m langen Tunnel, erreichen das Tageslicht in 200 m Höhe und queren anschließend auf von Weitem kaum sichtbaren Pfaden hoch über dem Atlantik die gesamten verbleibenden Abstürze bis zum Ferienort Los Gigantes

Durch das Zusammentreffen zweier extremer Naturräume - Gebirge und Meer - haben Küstenwanderungen immer schon einen besonderen Reiz auf uns ausgeübt. Das besondere Erleben unterschiedlichster Farben und Stimmungen macht in jedem Fall süchtig, sei es an den einsamen Gestaden griechischer Inseln oder der rauen Klippen des Nordkaps, an den oft überlaufenen, weltberühmten Traumküsten Italiens - wie etwa den Cinque Terre oder der Amalfiküste - oder den in jedem Sinn bizarren Steigen um die südkoreanische Pazifikinsel Ulleung-do.

Die folgende Unternehmung ist in jeder Beziehung ein Gustostück: Einem farbenfrohen Allerweltsspaziergang mit gruseliger Bergwerkeinlage folgt eine aufregende Schluchtwanderung für eingefleischte Pfadfinder in eine von hohen Felswänden umschlossene Jules-Verne-Bucht. Ein zweites Tunnelabenteuer entlässt uns schließlich in eine ausweglos erscheinende Steilwand 200 m hoch über dem Atlantik. Eine derart eindrucksvolle und überraschungsreiche Küstentour haben wir bei diesen vergleichsweise geringen technischen und konditionellen Anforderungen weltweit bislang kein zweites Mal gefunden.

unspektakulärer Ausgangspunkt für unser Abenteuer ist der Stolleneingang am Fuß der Südflanke des 877 m hohen Guamaman erreicht ihn entweder von der Küste (Los Gigantes/Puerto de Santiago) 400 Hm aufsteigend durch den netten Barranco de Santiago ...... oder in ca. 15 Minuten direkt vom kleinen Bergstädtchen Tamaimodie Öffnung liegt seitlich hinter der rechten, kleineren von zwei einsamen Barackendie erste Höhle ist 1200m lang und manchmal kaum mannshoch; Taschen- oder Stirnlampen unerlässlicham jenseitigen Ausgang erwartet uns ein erster Eindruck der zerklüfteten Schluchtlandschaft; mit von der Partie Coranach einem kurzen Abstieg durch eine Geröllrinne bringen uns schwache Pfadspuren links hinaus auf den besser begehbaren Schluchtsteigüber uns der Risco  Blanco, der den oberen Schluchtteil überragtFelsen und exotische Vegetation - die für uns ungewöhnliche Landschaft erinnert an Baja Californiader Barranco wird enger, immer wieder muss die Schluchtseite gewechselt werdenringsum prachtvolle Szenerienziemlich weit unten die Schlüsselstelle des Barranco Seco - ein steiler Abbruch, der gequert werden mussan den besser begehbaren Abschnitten will Ronja die Führung übernehmenplötzlich treten die Felsen auseinander und wir stehen vor der Playa de Barranco Secoverfolgt man die urzeitliche Bucht ein Stück nach Norden, ...... kommt man an der Ausmündung des Barranco del Natero vorbei, der zwischen unserer Schlucht und dem Barranco de Masca eingeschnitten isteinheimischer Küstenbewohner nimmt Reißaus vor den fremden Eindringlingenaußer zu Fuß durch die beiden Schluchten ist die Bucht nur mit dem Boot zu erreichen; wir kehren um ...... und machen uns an den Wiederaufstiegnach 200 Hm haben wir die gemauerte Wasserleitung wieder erreicht; Ronja auf der Suche nach dem nächsten Höhleneingang (rechts oberhalb von ihr, am Fuß der schmalen Felswand in Bildmitte, hinter dem grünen Busch versteckt)Ronja knipst ihre Stirnlampe an ...... und nimmt das zweite Tunnelabenteuer in Angriffder Stollen ist genau einen Kilometer lang, den Ausgang sieht man von Beginn anbeim Verlassen der Unterwelt (hier wird an der Stollentür vor jeder denkbaren Todesart in der Höhle gewarnt) erwartet uns die nächste Überraschungder Weiterweg führt nicht an der vermeintlichen Straße entlang - die entpuppt sich als Fortsetzung der in teils überhängenden Fels geschlagenen Wasserleitung -, ...... sondern über einen relativ ausgesetzten Pfad die nächste Schlucht hinunterdie Damen queren an einer Flachstelle, ...... worauf sie auf kaum sichtbaren Bändern und Felsleisten ...... über den offenen Ozean hinausquerenauch der Weiterweg 100 m über dem Atlantik ist eine Orgie aus spektakulären Momentenin der Ferne wird unser Ziel sichtbar - der Ferienort Los Gigantesauf der gesamten Traversierung werden die Hände kaum benötigt; wir sind uns einig: eine der tollsten Küstentouren, die wir jemals unternommen haben
(02.12.2014)

Literatur: Wolfsperger: Teneriffa. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. München: Rother Wanderführer 2012.

Allgemeine Reise-Infos sowie Links zu weiteren Touren auf Teneriffa findet ihr zu Beginn bzw. am Ende des Beitrags zum Teide Nationalpark.

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