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Rajasthan - der unbekannte Süden

Schluchten, Tempel und Palastforts zwischen Udaipur und Jaipur.

Indien. Aufstiege bis 300 Hm.

Reiseinfos - Udaipur - Chittaurgarh - Bundi - Jaipur- weitere Touren in Rajasthan

Rajasthan, das „Land der Könige“, einer der 29 Bundesstaaten Indiens, liegt im Nordwesten des Subkontinents und hat knapp die Fläche Deutschlands. Eingebettet in herber landschaftlicher Schönheit zeigt sich hier - auf der geografischen Breite der Zentralsahara - ein Kaleidoskop von Tempeln, Festungen und Palästen, kargen Wüsten und hoch aufragenden Bergzügen, Märchenstädten aus 1001er Nacht erfüllt vom farbenfrohen, chaotischen Getriebe des unverfälschten Indien. Während die drei Traumstädte Jaipur, Jodhpur und Udaipur fixe Bestandteile jeder Pauschalreise sind, warten viele Überraschungen erst im vergessenen, oftmals entlegenen Hinterland.

Übersicht Indienunsere Rajasthan-Rundreise vom März 2015; nach einleitenden Reiseinfos behandeln wir den dritten und letzten Teilabschnitt im SüdostenMietwagen mit Fahrer - die bequemste und effektivste Reiseart in Indien
Die eindeutig vernünftigste Art individueller Fortbewegung in Indien ist der Mietwagen mit einheimischem Fahrer, zumal eine Beschilderung jenseits der Großstädte - falls überhaupt vorhanden - nur in Hindi existiert und das Vorfahrtsrecht offenbar aus dem Kastensystem, kryptischen Alphamännchen-Erkennungsmechanismen sowie dem Blutzucker erwächst. Besonders in den Ballungszentren kann der Straßenlärmpegel bei Mitteleuropäern in Minutenschnelle lähmende Kopfschmerzen erzeugen. Da die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer (inklusive Elefanten, Kamele, Kühe, Schafe und Ziegen) augenscheinlich nach vorne gerichtet ist, wird von sämtlichen Hintermännern des  24-Stunden-Überholslalombewerbs permanent gehupt, oft schlachtenartig mit presslufterzeugten grellen Melodienfolgen jenseits des Erträglichen. Kampfsport fürs Trommelfell. Damit nur ja keiner aufs Hupen vergisst, prangt auf jedem Lkw-Hinterteil die Aufforderung Blow Horn Please OK. Lediglich in wirklich langweiligen Situationen ohne Unterhaltungswert - wie bei überraschend querenden Kuhherden oder Geisterfahrerkolonnen auf der Autobahn - wird anstandshalber aufs Hupen verzichtet.
Schon zu Hause helfen Internetforen bei der Auswahl eines geeigneten Fahrers, der ständig zur Verfügung steht und sich gegebenenfalls auch um Hotels etc. kümmert. Oft entstehen so Freundschaften, man kommt wieder, um mit seinem Fahrer einen weiteren Teil Indiens zu bereisen. Die Preisangebote für unsere 12-Tage-Rundfahrt bewegten sich zwischen 450 € (älterer Mittelklassewagen ohne Klimaanlage) bis 750€ (geräumiger Sechssitzer mit Klimaanlage). Die meisten Driver verfügen über gute Englischkenntnisse und langjährige Erfahrung mit europäischen Reisenden. Unser Fahrer Sunny (www.sunnyfunnytours.in) war daran gewohnt, Touristen ohne große Vorkenntnisse in bewährtem Trott zu bekannten Sehenswürdigkeiten und provisionsträchtigen Hotels zu schleusen. Unsere Art zu reisen - mit Einbeziehung kaum bekannter abgelegener Highlights - brachte ihn anfänglich an den Rand der Verzweiflung, nach etlichen Tagen aber war ihm der Lerneffekt für zukünftige Touren klar, er begleitete uns sogar auf manchen Fußmärschen in für ihn bislang unbekannten Teilen seiner Heimat. Read in your book!
Unsere 2800-km-Runde startet nach einem Fund-Raising-Konzert des Wiener KammerOrchesters zugunsten eines Spitals in Jodhpur nach Westen in die Wüste Thar und zieht im zweiten Teil nach Süden auf die höchsten Spitzen des Aravalligebirges um Mount Abu. Im Folgenden Eindrücke vom dritten Teil der Reise durch den Südosten Rajasthans zurück nach Jaipur und Delhi.
Weitere Touren in diesem Bundesstaat sowie im restlichen Indien findet ihr am Ende des Berichts, erst aber folgen wir verschlungenen, überraschungsreichen Pfaden zwischen zwei Traumstädten Rajasthans.

Udaipur

Die Aravallikette, eins der ältesten Gebirge der Erde, erstreckt sich vom Abumassiv an der Grenze zum Bundesstaat Gujarat über 600 km bis gegen Delhi und teilt Rajasthan in zwei Hälften, bildet die Klima- und Wasserscheide zwischen der Wüste Thar im Westen und den fruchtbaren Ebenen Zentralindiens. Der bedeutende Jain-Tempel von Ranakpur, Kumbhalgarh, die zweitwichtigste von Dutzenden Bergfesten des Landes und das märchenhafte, honigfarbene Udaipur liegen an seinen Abhängen. Diese drei benachbarten Glanzpunkte sind beispielhaft für die landschaftliche und kulturelle Vielfalt Indiens.

die folgende Bilderreise führt vom berühmten Jain-Tempel Ranakpur bis auf die märchenhafte Bergfestung Amber im Hinterland von Jaipurdas Wechselspiel von rauer Bergwildnis und landwirtschaftlich genutzten Flächen ist typisch für die Aravallis; hier die karge Landschaft südlich ...... der viel besuchten Tempelstadt Ranakpur aus der Mitte des 15. Jahrhundertsder Adinath-Tempel ist der wichtigste der drei berühmten weißen Jain-Tempel von Ranakpurder Jainismus geht auf das 6. Jh. v. Chr. zurück und beruht auf dem Prinzip der Gewaltlosigkeit; in Indien bekennen sich über 4 Millionen Menschen zu dieser Religion, viele davon tragen weißen Mundschutz, um nur ja nicht unabsichtlich ein Insekt zu verschlucken und es damit zu tötenin beinahe jeder indischen Stadt findet man einen oder mehrere Jain-Tempel, die durch ihre unglaublich reichhaltigen Ornamente auffallenin ganz Rajasthan gibt es für die Jain-Pilger vielleicht nur noch einen wichtigeren Ort - die Tempel von Dilwara am Mount Abu, in denen aber seit 1992 Fotoverbot bestehtwir verlassen Ranakpur und erreichen nach Überqueren etlicher Gebirgskämme eine monumentale Anlage ganz anderer Art ...die aus der selben Zeit stammende gewaltige Bergfestung Kumbhalgarh auf einem strategisch bedeutsamen Gipfel der Aravallisim Widerstreit der Fürstentümer von Udaipur und Jodhpur ließ Rana Kumbha insgesamt 32 Forts errichten, unter denen Kumbhalgarh als das stärkste gilthinter zahlreichen Mauern und wehrhaften Toren wurde ganz auf der Spitze des Berges, in 1100 m Höhe, erst im 19. Jh. der Badal Mahal (Wolkenpalast) gebautschon am mehrere Kilometer langen Zugangsweg ...... musste man sieben mit eisernen Spitzen versehene Tore überwindenvor den aufstrebenden Mauern des Wolkenpalastes auf der Spitze des Bergeseins der Wandbilder im Wolkenpalastauf der Schwindel erregenden Aussichtsplattform am Dach des Wolkenpalastes; auf dem mauerumgürteten Plateau zu Füßen des Forts stehen heute noch 365 Tempel und Schreineeine 36 km lange Mauer sichert das Gelände in weitem Umkreis - nach der Chinesischen Mauer das zweitlängste historische Bauwerk dieser Art auf unserem Planetenfolgt man den Höhenzügen einige Kilometer nach Süden (rechts hinten erkennt man noch den Wolkenpalast), ...... trifft man auf eine neuzeitliche Unterkunft der besonderen Artdas Hotel Wild Retreat in beeidruckender Lage ...... auf einem schmalen Bergkamm hoch über einer Aravallischluchtknapp 100 km weiter südsüdöstlich ein völlig anderes Bild: die Stadt Udaipur am Picholaseetypisch für die Städte im „Land der Könige“: die Havelis, die Hunderte Jahre alten Privathäuser einstmals reicher Kaufleute, heute für die gebotene Pracht relativ preisgünstige Hotelsauf einem Hügel über dem See thront der Stadtpalast mit verschwenderischer Innenausstattungbesonders wenn die untergehende Sonne die Palastfront anstrahlt, verdient Udaipur ihren Beinamen „Honigfarbene Stadt“ zu Rechtgleich gegenüber auf einer kleinen Insel im See: das Hotel Taj Lake Palace, Indiens berühmtestes Luxushotel, mit illustren Gästen wie Königin Elizabeth, dem Schah von Persien oder Jacqueline Kennedy. Auch Szenen des James-Bond-Films „Octopussy“ wurden hier gedrehtaber auch für etwa 30 € pro Familie kann man dabei sein: die Auswahl an netten Havelis mit spektakulären Dachrestaurants ist groß

Chittaurgarh

Gut 100 km weiter östlich erhebt sich auf einem 11 km langen und 1 km breiten Plateau die wichtigste Festung des Landes über die weiten Ebenen, eine ganze Stadt von Tempeln, Palästen und Wehranlagen, einst begründet auf einem Meer von Blut und Tränen, heute von der Welt bestaunt. Von Chittaurgarh zieht eine Perlenkette von wenig bekannten, landschaftlich oft reizvoll gelegenen kulturhistorischen Attraktionen nach Osten bis zur touristisch noch nicht entdeckten Großstadt Kota nahe der Grenze zu Madhya Pradesh: Die beiden 500 Jahre alten Palastforts von Bijaipur und Bassi (heute zu empfehlenswerten Hotels ausgebaut), die pittoreske Tempelstadt Menal über der Mahanalschlucht, die drei Tempel von Bijolia aus dem 11. Jahrhundert, die 70 m hoch über zwei Flüssen thronende Palastfestung Bhensrorgarh, die weit über 1000 Jahre alte Tempelanlage von Baroli oder der Shivatempel von Geparnath unter dem Wasserfall der Chambalschlucht.

 wieder 100 km weiter östlich thront 180 m über dem Berachfluss die größte Festungsanlage Rajasthans: Chittaurgarh, Symbol des Widerstandes der Rajputen gegen die Muslimenirgends im Land wurde öfter und heftiger gekämpft als um dieses 11 mal 1 km große Plateau, dreimal begingen sämtliche Bewohner kollektiven Selbstmorddie ältesten Anlagen stammen aus dem frühen 8. Jh.eine der Hauptattraktionen auf dem riesigen Burgberg ist der elegante Vijay Stambha (Siegesturm) aus dem Jahr 1458der 38 m hohe Sandsteinturm ...... lässt sich im Innern über 157 enge, steile Stufen bis ins neunte Stockwerk erklimmenauch hier oben entkommt man nicht den unstillbaren Fotogelüsten der InderRonja in ihrem Element; die teils schachtartigen unbeleuchteten Treppen im Blitzlicht der Digitalkamera40 km östlich von Chittaurgarh - über der alten Ortschaft Bijaipur gelegen - ein Beispiel für die vielen preiswerten Hotel-Palastforts Rajasthansgediegenes Wohnen im Castle Bijaipurim 500 Jahre alten Haus werden Zimmer in verschiedener Ausstattung mit Halbpension um ca. 60 - 80 € angebotenwenige Kilometer weiter nördlich gleich ein weiteres Juwel, sogar noch preisgünstigerauch im Bassi Fort Palace wohnt man für vergleichsweise wenig Geld ...... wie ein Fürst im indischen MittelalterKettenhelme als Nachttischlampender winddurchlässige Lustpavillon inmitten des Pools wird zurzeit renoviert; darüber erheben sich ...... die Reste des einstigen FortsUlli und Ronja im Inneren ...... des noch erhaltenen riesigen MauerkranzesAbendessen in einem der Innenhöfe des Palastesnoch etwas weiter im Osten die kleine Tempelstadt Menal, ein Zentrum des Shiva-Kults aus dem 8. - 12. Jh.die vom Archeological Survey of India stabilisierten Gebäude stehen am Rand einer 100 m tiefen Schlucht, dem Mahanalsteigt man die vielen Treppen hinunter zum Grund des Canyons, ...... kommt man an weiteren Naturheiligtümern vorbeiüber die Schluchtwand stürzt nach starken Regenfällen ein gewaltiger Wasserfall in die Tiefewenige Kilometer weiter der Tempelkomplex von Bijolia; von den einst hundert Tempeln haben vier die muslimischen Überfälle vor Jahrhunderten überdauertin prachtvoller Lage über zwei Flüssen das Palastfort Bhensrorgarh; der Schlossherr verlangt hier allerdings beinahe den dreifachen Preis seiner Kollegen vom Vortag, was uns den vorzeitigen Abschied leicht machtalle 20 km ein Highlight: Die mindestens 1200 Jahre alte Tempelstadt Baroli inmitten von Mango- und Pipalbäumen birgt eine Fülle von meisterhaften GötterreliefsGetreidetransport auf der schmalen Landstraße in Richtung Kotagut 20 km vor der noch unbekannten Beinahe-Millionenstadt Kota hat der Chambal eine Miniaturausgabe des Grand Canyon in die Landschaft gefressenAffen bevölkern den Klippenrandviele Leute machen sich nicht auf den Weg in die Tiefe, sie scheuen den schweißtreibenden Wiederaufstiegknapp über dem nur kletternd erreichbaren Schluchtgrund der Geparnath-Tempel von 1569; der heilige Platz mit hohen Wasserfällen zur Regenzeit wurde von Shiva-Pilgern aber schon 1000 Jahre vorher besucht

Bundi

Die schon 250 km südlich vor Jaipur gelegene Stadt Bundi wird langsam von Touristen aus aller Herren Länder entdeckt. Von den Dachrestaurants der Havelis, den historischen Privathäusern reicher Kaufleute, erscheinen Palast und Festung im Licht der tief stehenden Sonne wie die Kulisse aus einem Fantasyfilm, auch das Umland hält manche Überraschung bereit, wie etwa Shivatempel und Wasserfall bei Rameshwar.

das 80.000-Einwohner-Städtchen Bundi mit seinen bezaubernden Seen und dem märchenhaften Palastfort wird unter Touristen nicht mehr lange ein Geheimtipp bleibeneine Besonderheit Bundis sind die sogenannten Stufenbrunnen, hier einer der größten der Stadt - der Ranji-ki-Baorifast 50 m geht es unters Bodenniveau, der gleichsam auf den Kopf gestellte Schlossbau aus den Jahren um 1700 bietet schön ziselierte Säulen und Skulpturen der 10 Avatare (Erscheinungen) Shivaswie die Kulisse aus einem Fantasyfilm - der Stadtpalast von Bundiüber steile Rampen geht's hinauf ...... zum berühmten Elefantentor von 1620im Haupthof des Palasteswie schon in Kumbhalgarh wird auch hier der höchste Teil der Anlage Wolkenpalast genannt; Blick auf den Nawal Sagar, dem rechteckigen Tempelteich BundisBlick vom Chitra Shala auf die Stadt„Wer den Palast von Bundi gesehen hat, kann sich leicht die Hängenden Gärten der Semiramis vorstellen!“ (Colonel James Tod, Offizier der British East India Company 1820)Innenansichten eines Havelis in Bundi; so kann man für umgerechnet knapp 30 € pro Nacht wohnendas dazugehörige Badezimmerin der Abenddämmerung spiegelt sich das Palastfort im Nawal Sagar17 km nö. von Bundi lädt ein schmales Waldtal bei Rameshwar zur Erkundung einim hinteren Tal der Zugang zu einem Tempelbezirkdas Tal verengt sich zur Felsschlucht mit Wasserfall und Badeteichhoch oben am Fuß der linken Felswand ein von Affen bevölkerter Shivatempelim Bereich des Tempels lockt fantastisches Urgestein den Kletterer, ...... gäbe es da nicht in der Wand verteilt Dutzende Bienenkobelauch die Affen halten sich lieber an ihresgleichen

Jaipur

Die Pink City, mit 3 Millionen Einwohnern größte Stadt Rajasthans, besticht mit ihren Prachtbauten und Basaren, besonders aber mit der Palastfestung Amber (sprich: Amer) hoch über einem ihrer Vororte. Selbst im riesigen Wunderland Indien kann höchstens eine Handvoll weiterer Plätze mit dieser Anlage konkurrieren.

eines der Südtore der Rosaroten Stadt Jaipurder weltberühmte Palast der Winde im Zentrum der AltstadtJantar Mantar, das 1728 angelegte Freilichtobservatorium Jaipurs, zählt seit 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbein der Sternwarte des Stadtgründers sind eine Vielzahl gemauerter Instrumente zur genauen Messung der Sternbahnen untergebracht, die an moderne Kunstinstallationen denken lassen; dahinter das Tigerfort NahargarhRonja zu Gast bei einer Henna-Künstlerin in einem der vielen Basare JaipursMadhuban, das letzte Haveli unserer Reise westlich der Altstadtdas Palastfort von Amber nö. von Jaipur, einer der baulichen Höhepunkte einer Indienreisewaidwunde Touristen werden mit Elefanten den steilen, kopfsteingepflasterten Serpentinenweg ...... zum Fort hinaufgetragen; hier der Jaleb Chowk, der „Platz, wo Pferde und Elefanten festgebunden werden“das berühmte Elefantentor in indo-islamischem Mischstil aus der ersten Hälfte des 17. Jh. gehört zu den schönsten Torbauten der Weltdas Tor führt in einen Garten im Mogulstil, dem Dilaram Baghgleich daneben die Siegeshalle, fürstlicher Wohnsitz mit SpiegeldekorationenAusblick von der Dachterrasse
(03.2015)

Weitere Touren in Rajasthan:

Mount Abu - auf die höchsten Zacken der Aravallis
Thar - Wüstentrecks

Weitere Touren in Indien:

Cherrapunji - Wanderung zu den Wasserfällen am feuchtesten Punkt unserer Erde
Kaziranga Nationalpark - auf Moglis Spuren im Tal des Brahmaputra
Nandi Hills und Ramnagaram - Wandern und Klettern in Südindien

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