nature-classic

Hundstein, 2614 m

Blitzabstieg in die Weißpriach.

Südl. Schladminger Tauern, Weißpriach, Lungau, Salzburg. Aufstieg 1700 Hm.

Hinterweißpriach, 10 km nördl. von Mauterndorf - Parkplatz Diktlerhütte, ca. 1150 m – Jagdsteig zur Granierhütte – NW-Flanke auf die Zechnerkarspitze, 2452 m – Gratübergang Vordere und Hintere Granierspitze – Hundstein – Abstieg S-Grat/SO-Flanke zum Graniersee und ins Tal.

ÜbersichtKarte

Der Herbst ist eine feine Zeit zum Fliegen in den Bergen. Oftmals beständige Hochdruckwetterlage, schon zu kalt zum Klettern, aber noch zu wenig Schnee für Schitouren. Mit dem Schirm als Abstiegshilfe kommt man auch bei stark geschrumpften Tageslängen noch zu ausgedehnteren Touren – allerdings sollte es mit dem Fliegen dann auch wirklich klappen.
Nachfolgende Story erzählt, wie wir einem unfreiwilligen Biwak Ende November gerade noch entwischt sind …

Traumhafter Spätherbst, sensationelle Fernsicht, kalt, aber kaum Schnee, auch nicht in höheren Lagen. Der Hundstein ist nur eine von unzähligen markanten Erhebungen der vielen Nebenkämme der Tauern, dennoch sehr attraktiv: relativ hoch und entlegen, kein markierter Anstieg, insgesamt eine scharfe Erscheinung. Seine Ersteigung verspricht uns detaillierten Überblick auf ein für uns neues Gebiet – und damit auf eine Fülle von neuen Wunschzielen.

unsere Runde von SW (Karneitschenhöhe)der Jagdsteig führt auf die Granierhütte, westl. gegenüber das Karnereck

Der schöne Jagdsteig zur Granierhütte ist bald gefunden und bringt uns mühelos über die steile, stark felsdurchsetzte Talflanke hinauf zur Jagdhütte und ins helle, aussichtsreiche Kar. Als erstes Gipfelziel haben wir uns die Zechnerkarspitze ausgesucht, einen der begehrtesten Schitourengipfel des Lungaus, der aber von dieser Seite sehr selten bestiegen wird. Trotz Schneemangels gibt eine Rinne den unteren Teil des Anstieges durch die NW-Flanke vor. Wir haben Glück: Durch diese Eisrinne ziehen tiefe Fußstapfen, die uns den Aufstieg auch ohne Steigeisen ermöglichen.

Zechnerkarspitze NW-Rinne, vorhandene Trittspuren ermöglichen einen schnellen Direktaufstieg ohne SteigeisenZechnerkarspitze gegen S - das Bild erklärt den Beliebtheitsgrad als Schitourenberg

Der folgende Verbindungsgrat über die Granierspitzen hinüber zum Hundstein beginnt gemütlich, zwischendurch sind aber immer wieder leichte Kletterei und Vorsicht an den vereinzelten steilen Hartschneeflecken verlangt. So sind die Schwierigkeiten heute gerade richtig, bei größeren Anforderungen ziehen wir Leichtgewichte gern ohne Rucksack über die Grate – wie beispielsweise auf unserer Kombi-Überschreitung Schimpelspitze-Deneck. Die Sicht auf die gestaffelten Felsketten mit vielen berühmten Namen ist schon auf dem Weg zu unserem Hauptziel mehr als einladend.

der Kamm zu den Granierspitzen beginnt gemütlichzwischendurch ist aber immer wieder leichte Kletterei verlangtHundstein gegen O (Hochgolling)Hundstein gegen O (Hochgolling)

Ein wundervoller Tag, aber ganz geht die Rechnung doch nicht auf. Fast zwei Stunden lang spielen wir uns an der SW-Flanke knapp unter dem Hundsteingipfel mit dem Aufziehen der Schirme. Einige Male klappt es beinahe, aber regelmäßig schlägt im letzten Moment der Wind um. Wir sind zu nahe am Südgrat, aber weiter unten reicht die Gleitzahl unserer Oldtimer-Schirme nicht mehr aus, um über die Schwellen des Granierkares zu kommen.

Hundstein von WNW (Plattenspitze) - selbst Anfang Jänner gibt es noch immer wenig Schneeeiner unserer vielen missglückten Startversuche - eine Stunde vor Sonnenuntergang wird es höchste Zeit, die Dinger in die Rucksäcke zu stopfengebranntes Kind: Ulli beim Flug von der Gastrumerhöhe in den südlichen Wölzer Tauern ...... und ihre Landung im letzten Licht des Tages

Wir sind gebrannte Kinder - vor zwei Tagen erst konnten wir von der Gastrumerhöhe in den Wölzer Tauern gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit nach SW zur Wöhryhütte abgleiten, Ulli schaffte den Start erst kurz nach Sonnenuntergang. Das soll uns heute nicht noch mal passieren, genau eine Stunde vor dem zu erwartenden Verschwinden der Sonne stopfen wir in Windeseile unsere Schirme in die Rucksäcke und tschüss ...
Der Abstieg durch die flache Granier zieht sich, doch in den Schneerinnen darunter machen wir viel Zeit gut, und so erreichen wir schon nach vierzig Minuten das 1500 Hm tiefer gelegene Auto.
(29.11.2006)

Als ähnliches Unternehmen in dieser Region können wir die Überschreitung Speyereben – Eisenhut empfehlen.

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