nature-classic

Montségur, 1200 m

Zu den Katharerburgen Okzitaniens.

Okzitanische Vorpyrenäen, Quillon, Roussillon. Aufstiege ca. 200 Hm.

P Col de Montségur, gut 40 km westl. von Quillan - W-Flanke.

ÜbersichtKartehoch oben am „sicheren Berg“ - Burg Montségur, letzte Zuflucht der Katharer

Die französischen Vorpyrenäen mit ihren wilden Schluchten und teils schon alpinen Gipfeln sind eine eigene Welt von besonderem Reiz. Von der berühmten UNESCO-Weltkulturerbestadt Carcassonne nach Süden zu taucht man ein in die ungeheuer spannende Geschichte der Katharer, die selbst 800 Jahre nach ihrem blutgetränkten Niedergang immer wieder gerne von Thrillerautoren und Filmproduzenten herangezogen wird. Nachdem wenige Hundert Anhänger dieser christlichen Strömung in ihrer letzten Zuflucht ein knappes Jahr lang der Übermacht eines 10.000 Mann starken katholischen Heeres getrotzt hatten, wurden sie endlich am 16. März 1244 auf einem riesigen Scheiterhaufen am Fuß ihres „sicheren Berges“ verbrannt.
Im Grunde lehnten sich diese „Ketzer“ während der Entfaltung der Geldwirtschaft ab dem 11. Jahrhundert nur gegen die Gier von Adel und Klerus auf, die mit Abgaben, Zehent und Krediten die schwer arbeitende Landbevölkerung immer mehr ins Verlierereck drängten. Besonders die Kirche sah in den sich immer weiter verbreitenden Katharern (Italien, Deutschland, sogar die Bogumilen in Bulgarien vertraten ähnliches Gedankengut) eine massive Bedrohung, die letztendlich durch Inquisition und andere „diplomatische“ Maßnahmen bereinigt wurde.
Im Anschluss an unsere eiskalte Morgenwanderung präsentieren wir noch ein paar Fotos von vier etwas weiter östlich gelegenen, sogenannten „falschen“ Katharerburgen (Puivert, Peyrepertuse, Quéribus und Burg Aguilar), die zwar wie die „echten“ gleich Adlerhorsten in unglaublicher Lage über den Tälern thronen, aber erst nach der Zerschlagung der Bewegung von französischen Königen bzw. Statthaltern als Versinnbildlichung ihrer Machtpräsenz erbaut wurden. Ein kurzer Streifzug ins noch winterliche Andorra bildet die Überleitung zu unseren Spanienabenteuern.

Château de Montségur hoch über dem gleichnamigen Ort, Ansicht von Süden; unser Anstieg führt von links zum GipfelAbmarsch zeitig in der Früh vom Westsattel; die üblichen Touristenscharen bleiben uns erspartdie schattige Westflanke ist noch ziemlich frostig; Neuschnee auf den Infotafelnbald sind die knapp 200 Hm überwunden; der Eingang zur Burg an der Westseiteder Burghof liegt großteils noch im Schattendie Festung von SOauf dieser Seite des Gipfels lagen ursprünglich kleine Terrassenfelder ...... sowie Schuppen, Arbeitsräume und Wohnhüttenbeim Rundgang um die Mauern ...... gelangen wir über die Nordseite wieder zum Aufstiegsweg; Blick gegen Süden auf La Frau, 1925 m, einem beliebten Wanderberg (4 Stunden vom Ort über den Nordkamm)auf dem Weg nach Osten in Richtung Quillan eine der wenigen unspektakulär gelegenen Katharerburgen - Château de Puivertunter allen Katharerburgen die bestechendste Lage hat wohl Château de Peyrepertuse, etwa 50 km nw. von Perpignan in den Corbières gelegendie größte Burg im Katharerland erstreckt sich über 90.000 qm ...... bis knapp unter den Gipfel der gewaltigen Felswand; 2500 m Mauern sprengen beinahe die Größenvorstellungen von einer Burgebenfalls in exponierter Lage: Château de Quéribus auf Sichtweite in südöstlicher Richtungauch dieser Adlerhorst in 728 m Höhe besteht aus drei übereinander gelagerten Festungen, die allerdings nach dem Fall von Montségur gegen freies Geleit übergeben wurdendie Ruinen des Château d'Aguilar gleich ums Eck hinter Tuchan blicken von einem felsigen Hügel auf die umliegenden Weinberge herabdie UNESCO-Weltkulturerbestadt Carcassonne etwas weiter nördlich darf man keinesfalls versäumen, wenngleich der Touristenrummel im Innern der Festungsstadt selbst zur Nebensaison nicht jedermanns Sache istAuffahrt aus dem französischen Ariègetal zum Grenzpass Port d'Envalirawährend sich in Carcassonne bei frühsommerlichen Temperaturen die Leute auf die Füße treten, starten hier oben die Schitourengeherdas Schigebiet auf der andorranischen Seite des Passes, den man auch mittels Tunnel überlisten kannin der Hauptstadt Andorra la Vella ist bereits der Frühling eingekehrt
(01.05.2017)

Literatur: Anker/Maubé: Languedoc - Roussillon. München: Rother Wanderführer.

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