nature-classic

Costa da Morte

Landschaftliche Höhepunkte zwischen Laxe und dem Kap Finisterre.

Von der „Kristallstadt“ A Coruña, dem größten Hafen Galiciens, folgen wir dem äußersten Rand Iberiens hinunter in Richtung Portugal. Nördlich des Kap Finisterre („Ende der Welt“, galicisch Cabo Fisterra), einem der westlichsten Punkte des spanischen Festlandes (der westlichste des europäischen Festlandes ist das portugiesische Cabo da Roca 400 km weiter südlich), wechseln die wilden Landschaftsbilder in bunter Folge zwischen unnahbaren Felszungen und unbeschreiblich schönen, einsamen Sandstränden. Häufig erreichen die scharfen Spitzen unterseeischer Kliffs die Wasseroberfläche und wurden immer wieder der Schifffahrt zum Verhängnis; die Bezeichnung „Todesküste“ hat sich nicht umsonst eingebürgert.

Übersichtein Wahrzeichen von A Coruña - der Herkulesturm, 110 n. Chr. von den Römern erbaut, der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm EuropasZentrum der Altstadt: die Plaza María Pita, im Andenken an die Fleischhauersgattin und Stadtheldin, die 1589 die Einnahme der Stadt durch den englischen Freibeuter Sir Francis Drake vereiteltedie Seepromenade mit ihren „galerías“, denen A Coruña den Beinamen „Kristallstadt“ verdankt100 km weiter der kleine Ort Laxe an der Costa da Morte, gesehen aus NO vom Monte Branco oberhalb Ponteceso; auf unserer ersten Wanderung umrunden wir die Halbinsel

Die folgenden vier kurzen Wanderungen - drei davon tatsächlich am Meer verlaufend und eine Flusswanderung entlang des Río Grande nur wenige Kilometer oberhalb der Mündung - sollen die landschaftliche und kulturelle Vielfalt dieses entlegenen Küstenstrichs dokumentieren.
Links zu weiteren Wander- und Klettertouren in Spanien und Portugal im nature-classic-Bericht zu den Mallos de Riglos.

Punta da Insua - Río Grande - Cabo Vilán - Monte do Facho

am nördlichen Ortsende von Laxe bildet ein netter Picknickplatz den Ausgangspunkt für die Umrundung der Insua-Halbinseldurch ein Meer von Blüten ...... gelangen wir schnell an die Küstenlinie; die vielen vorgelagerten Riffs ...... mit ihren messerscharfen Felskanten haben diesem Teil der spanischen Küste den gruseligen Namen eingebrachtnahe der Nordspitze der Halbinsel ...... ragt der Faro de Laxe aus dem Jahr 1920 in die Höhedie spanische Atlantikküste ist viel wilder und regenreicher als die berühmten Mittelmeerküsten, dafür aber vergleichsweise unverbaut, romantisch und menschenleerauf den schmalen Küstenwegen trifft man vielerorts ...... auf interessante Fauna ...... und Floraauf dem Weiterweg von Laxe nach Ponte do Porto treffen wir auf einige besonders hübsche Hórreos, eine architektonische Besonderheit Nordportugals und Nordwestspaniens, die bei der Bevölkerung wichtiges Kulturgut darstelltHórreos sind traditionelle, frei stehende Speicherhäuser aus Holz oder Stein, die in etwa den Sinn unserer „Troad(=Getreide)kästen“ erfüllen: optimale Lagerung von Feldfrüchten bei hoher Luftfeuchte und Schutz vor Schädlingen aus der Luft und vom Boden; Verzierungen, Kreuze oder Obeliske sollen - ähnlich wie bei den apulischen Trullis - böse Geister abhalten

Río Grande

Luftbild unserer Flusswanderung mit der „Ruta dos Muiños“der Hauptplatz von Ponte do Portodie letzten Häuser machen schnell Platz ...... für das üppige Grün; die Reste der alten Sofiamühleder Mühlenweg begeistert nicht nur Blumenfreundesteter Wechsel zwischen leichtem Wildwasser ...und verträumten, ruhigen Abschnitten, ...... an denen Maler und Fotografen ihre Freude habender Mühlenweg schenkt wirkungsvolle Kontraste zu den ungestümen Szenerien der nahen Atlantikküstenach circa zwei Kilometer ist bei einer Brücke der Scheitelpunkt unserer Flusswanderung erreicht; Rückweg auf Feldwegen ins Städtchen Ponte do Porto

Cabo Vilán

zurück auf einem der schönsten Küstenabschnitte Iberiens: Cabo Vilán von NO; der Leuchtturm steht etwa 100 m über dem Meer, ist einer der ältesten Spaniens und hat eine Reichweite von 55 kmfolgt man der für die Schifffahrt extrem gefährlichen Küste nach Norden, gelangt man zu einer Reihe von wunderschönen Sandbuchten, teilweise geschützt durch heimtückische Riffs, wie etwa die Praia da Pedrosa ...... oder die Praia Reiravorbei an einem alten Steinkreuz ...... gelangen wir an einen der Schauplätze besonders tragischer Katastrophen entlang der Costa da Morte: die Punta do Boiam einsamen Cemiterio dos Ingleses ...... erinnert ein Gedenkstein an den legendären Untergang des englischen Kriegsschiffes „The Serpent“ am 10. November 1890die letzten Aufnahmen von Kapitän, Offizieren ...... und den drei Überlebenden der 175-köpfigen Besatzunggleich hinter dem wilden Kap ...... eine etwas ruhigere Bucht: das geschützte Dünengebiet Arenal do Trece, Lebensraum vom Aussterben bedrohter PflanzenartenRückblick vom Südsattel der Peña Negra, einem 175 m hohen felsdurchsetzten Hügel, auf das Cabo Vilán; die gesamte Runde kann auf unbefestigten Straßen auch mit dem Auto unternommen werden - Wochenenden meiden!n

Monte do Facho - Cabo Fisterra

etwa 30 km weiter südlich erreichen wir das berühmte Kap Finisterre, vor dem mehrere Seeschlachten stattfanden - die erste 1747 während des Österreichischen Erbfolgekriegesfür viele Pilger endet der Jakobsweg erst hier und nicht schon im etwa 60 km weiter östlich gelegenen Santiago de CompostelaUlli und Ronja laufen noch die 200 Höhenmeter hinauf ...... zum Monte do Facho, einer mystischen Stätte, wo schon die Phönizier einem Sonnenkult gehuldigt haben sollen und sich in neuerer Zeit auf hartem Lager Ehepaare mit Nachwuchssorgen einfanden
(05.2017)

Literatur: Rabe: Galicien. München: Rother Wanderführer.

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