nature-classic

Pürgg

Talnahe Kletterkulissen am Fuße des Grimming.

Totes Gebirge, Stainach-Irdning, Ennstal, Steiermark. Zustieg 30-300 Hm + 6-13 Seillängen (200-350 Hm).

Die vorgestellten Klettereien sind ausnahmslos südseitig ausgerichtet und entweder von Pürgg (P vor dem Ortsanfang) oder von Lessern (Gasthof Geweßler) in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Zustieg zum Burgstall-Klettergarten von Untergrimming: 3 Minuten.

ÜbersichtKarte
Die Nordseite des Ennstales zwischen Liezen und Stainach-Irdning weckt bereits bei der Durchfahrt unsere Neugierde. Im stark bewaldeten Steilabfall des Toten Gebirges finden sich auf allen Etagen vielversprechende Wandzonen, sagenumwobene Geheimnisse der Kletterlegende Klaus Hoi, dessen Name untrennbar mit der gesamten Region verbunden ist. Spielerisch stechen steile Felsgipfel wie Hochtausing oder Hechlstein aus den Wäldern empor und locken mit kurzen Klettersteigen oder längeren Kammüberschreitungen, bis im Westen der Grimming eindeutig ernstere Akzente setzt.

Hier, am Fuß des gewaltigen Mons altissimus, haben sich rund um die malerische Ortschaft Pürgg mit ihren ausgezeichneten romanischen Kunstdenkmälern die einstigen Wogen zwischen Kletterern und Jägern offenbar geglättet, der steirische Bergführerverband hat den weitläufigen Burgstall-Klettergarten sogar gepachtet.
Die längste Route hier ist Null komma Josef, 6+ (5 A0), 8 SL, 4 davon außergewöhnlich schön, stellenweise aber auch etwas seltsam und viel Gras. Weit oben geben uns Klaus und seine Bergführerkollegen kalt – warm (subtile Rache für das alkoholfreie Bier?): ein irreführender Bügel überm Stand links (Variante?) lädt zum Ausqueren und Verenden im Gehölz ein, die Fortsetzung der Tour findet sich hingegen rechts hinterm Gestrüpp, wo wir sogleich wieder mit einer erstklassigen Seillänge besänftigt werden. Auch der Abstieg am markierten Klettersteig kann für Überraschungen sorgen: an neuralgischen Stellen fehlt manchmal die Farbe, diverse Ausstiegs-Fixseile sorgen für Verwirrung, aber irgendwie kommt man letztendlich doch runter.

Ulli in der 1. SL von Null komma Josef, Burgstall Null komma Josef, 6. SL

Auch ein Stockwerk höher am Jungfrausturz gibt es viele aufregende Seillängen zu entdecken, etwa am SW-Pfeiler, 7 (6+ A0), oder die geniale Piazschuppe der SW-Wand, 7 (7- A0) gleich daneben. Die längste Route hier ist die Gindlkante, 6+. Besonders die obere Hälfte der 13 Seillängen präsentiert sich als wahre Bilderbuchlinie, die man knapp unterm Ausstiegsplateau mittels kurzem Sprung voll von nachhaltigen Eindrücken verlässt. Interessant auch die vielen Variationsmöglichkeiten, in denen die Hakenabstände den Genusspegel bald einmal unter sich lassen können. Abstieg entweder gleich nach rechts über die Himmelsleiter zurück nach Pürgg, oder viel schöner: über den Gipfel des Gindlhorn, 1259 m, und den Gasthof Dachsteinblick nach Lessern.

Gindlhorn und -kante (re.unten) von NW (Lessern)Blick von der Gindlkante auf Ennstal und Wölzer TauernErich in der 8. SLan der oberen Gindlkante, 11. SLUlli in der 12. SLBlick vom Ausstieg auf Gindlhorn und TrawengBlick vom Gipfel des Gindlhorn nach NW
(05.10.2008)

Literatur: Schall/Grabner: Genuss-Kletteratlas Österreich Ost, Band 2 Steiermark. Wien: Schall.

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