nature-classic

Traunstein, 1691 m. SW-Grat und SW-Wand

Alpiner Klettergarten überm See.

Oberösterreichische Voralpen, Salzkammergut, Gmunden. Zustieg 200-300 Hm + 2-8 Seillängen (100-200 Hm) + Aufstieg zum Naturfreundesteig (200 Hm) oder abseilen (am besten über „Wer putzet, der findet“).

P 500 m südl. des Gasthof Hoisn am Traunsee-Ostufer – Miesweg oder Forststraßen-Tunnelreihe zur Lainaubrücke - Naturfreundesteig (Klettersteig A/B).

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Von Traunkirchen am gegenüberliegenden Seeufer aus gesehen zieht der untere Teil des SW-Grates, 3, wie die geschliffene Schneide eines Schwertes in die Höhe. Max Kienesberger, legendärer Hüttenwirt am Traunstein, der mit vierstelligen Besteigungen an seinem Berg möglicherweise für immer den Rekord halten wird, wagte im August 1924 erstmals den ausgesetzten Ritt hoch über der Stubbüchse. Vieles hat sich seither am Traunstein verändert ...
Anfang der Siebziger des vorigen Jahrhunderts, als Erich mit seinem Vater zum ersten Mal über den naturbelassenen Grat kletterte, nahm man den Zustieg noch direkt vom Beginn des Miesweges (eine der schönsten Steiganlagen im Salzkammergut, an der Außenseite der Tunnels, wenige Meter über dem Wasserspiegel) durch eine steile Schrofenflanke. Heute finden sich gebohrte Stände an der Schneide, auch der Zustieg gestaltet sich wesentlich angenehmer. Nachdem sich die Erhalter des Naturfreundesteiges aufgrund permanenten Steinschlages gezwungen sahen, den Einstieg des beliebten Klettersteiges hinter die Tunnelreihe an die Lainaubrücke zu verlegen, erwachten auch die sonnseitigen Abstürze des Grates zum Leben: Ein Dutzend Mehrseillängenrouten zwischen dem 3. und 8. Grad sind nunmehr relativ schnell und mühelos vom Steig aus erreichbar.

Traunstein v.SW (Kl. Sonnstein), in Bildmitte die scharfe Schneide des unteren SW-Gratesanno 1974 war das Revier um den SW-Grat meist noch menschenleer; Tiefblick auf Stubbüchse, Lainaubrücke und Traunsee. Jenseits der Geröllhalde windet sich heute der neue untere Teil des Naturfreundesteiges empor - einer der meistbegangenen Klettersteigklassiker der Alpenum das Jahr 2000 ist Ulli erstmals am Grat unterwegs; mit dem Gmundner Weg , 3+, verfügt das Klettergebiet bereits über eine abgesicherte Zustiegsvariante

Verwöhnte Salonkletterer mögen sich im Sanduhrenparadies, 5 (4 A0), vielleicht manchmal einen Rasenmäher wünschen, auch in der Diplomarbeit, 6+, findet man zu Beginn viel Frischfutter, nach oben hin tritt aber dann doch immer mehr Genusskletterstoff zutage. Am schönsten zu klettern und am besten abgesichert: Wer putzet der findet, 6+ (5 A0). In mindestens zwei Dimensionen aber werden sich am Traunstein SW-Grat die unterschiedlichsten Geschmäcker treffen: im unvergleichlichen Seeblick egal aus welcher - und im erfrischenden Bad egal nach welcher Route.

Ulli in der 1. SL von „Wer putzet, der findet“am 1. Stand; wie man sieht, nicht nur GrasErich am 2. Stand; Blick über den See aufs Höllengebirgein der 3. SL; charakteristisch die vielen Löcher und Sanduhrendie Hütte am Traunkirchnerkogel, dem Traunstein-Südgipfel; oberhalb der SW-Wand-Ausstiege erreicht man den Naturfreundesteig etwa auf halber Höhe des Berges, ein Abstecher zum Gipfel mit Kaffee und Kuchen ist durchaus eine gute Optionder steile Zahn des Sulzkogel am Abstieg über den Naturfreundesteig

Die alte, verrufene Westwand-Route aus dem Jahr 1921 wird aufgrund der gut abgesicherten neuen Linie Kaffee und Kuchen, 7+ (oder 7 A0, 29 Seillängen mit über 1000 Klettermeter bis zur Belohnung auf der Hütte) wohl bald völlig in Vergessenheit geraten.

Wer nach dem Abstieg noch nicht genug hat - oder anders herum - sich erst gar nicht vom Wasser trennen will, der kann sich auch noch in etlichen Übungsrouten am südl. Ende des Miesweges unterhalb der Lainaubrücke vergnügen.

Ein ganz anderes Erlebnis bietet wiederum die zeitlose, verborgene Zirlaschlucht durch die NW-Wände des Berges.
(17.07.2010)

Literatur: Jentzsch: Genussklettern Österreich Mitte. Bad Häring: Alpinverlag.
Lehr, Rudolf: Duell mit den Bergen. Linz: Rudolf Trauner 1977.

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