nature-classic

Bischofsmütze, 1446 m. „Lluvia interrupta“, 7+ (6 A0/A1)

Randbemerkungen zum Attergauer Kultursommer.

Nordwestl. Höllengebirge, Oberösterreich. Zustieg 350 Hm + 9 Seillängen (230 Hm).

Taferlklause, 760 m, an der Großalmstrasse zwischen Altmünster am Traunsee und Steinbach am Attersee - mark. Wanderweg Richtung Hochleckenhaus/Brunnkogel bis zum Aurach-Ursprung - links am Scheckenbergersteig Richtung Brunnkogel, der gut erkennbare Weg führt direkt am Einstieg vorbei.

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Viele von uns werden das Höllengebirge nur vom Hörensagen kennen. In den letzten Jahren haben hier ein paar Idealisten eine erstaunliche Fülle an Klettereien eingebohrt, sowohl alte Wege saniert als auch neue geschaffen. Ob sich eine weite Anreise lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Ist man aber schon in der Gegend oder auf dem Weg zu seinen nächsten Traumzielen, dann machen sich ein paar Schnupperstunden allemal bezahlt, und manche, die nicht nur von Lasche zu Lasche linsen, werden wiederkommen - so wie wir.

Am Zustieg werden bei Erich Erinnerungen aus dem Jahr 1988 geweckt, an den Aufstieg über den NW-Grat auf den Brunnkogel und den anschließenden Gleitflug direkt vom Gipfelkreuz (sehenswert: auf den 14 m bis zur Spitze reihen sich die Darstellungen von neun Berufsständen). Der Seenblick verführt gleich zu einem zweiten Aufstieg mit dem Schirm am Rücken, diesmal durchs Aurachkar zum Hochleckenhaus. Auch diesmal ein beeindruckender Flug zwischen den Steilwänden der Aurachkarplatten und des Grenzecks.

Vieles hat sich hier getan in den letzten 20 Jahren. Die Aurachkarwände sind überzogen mit einem dichten Netz von Mehrseillängenrouten mit Klettergartencharakter, besonders die Aurachkarplatten auf der Ostseite werden auch verwöhnte Climber zufriedenstellen. Der Brunnkogel-NW-Grat ist ebenfalls saniert worden, eine Standard-3er-Tour der Einheimischen. An seinem Fuß, in halber Höhe der breiten, felsigen Nordabstürze, baut sich die Bischofsmütze auf, ebenfalls mit kunstvollem Gipfelkreuz versehen. Den Vergleich mit der gleichnamigen Schwester im Gosaukamm muss sie zwar scheuen, aber neugierig machen ihre zwei kecken Spitzen aus dem Tal immerhin.

Brunnkogel von NWUlli am Einstieg, die 1. SL hängt stark über

Die erste Seillänge hängt narrisch über, gleich darauf wird's aber gemütlich, zwar oft grasig, aber immer wieder entschädigen sehr nette Stellen, noch dazu liebevoll eingebohrt. 5. und 6. SL wurden nur ansatzweise aufgefunden, wenn du weg bist, bist du weg. Auch während der kurzen Wanderung in der 8. (Seil)länge könnten ein 10-minütiger Fuchsschwanz-Einsatz oder ein paar rote Punkte Linderung schaffen. In der letzten SL geht es aber wieder ernst zur Sache.

Ulli in der 9. SLGipfelkreuz auf der Bischofsmütze gegen O (Traunstein)

Am idyllischen Gipfel angelangt, wird der Wunsch nach Fortsetzung wach - dafür ist an sich gesorgt: Neben dem NW-Grat wirken auch der Vöcklabrucker Pfeiler (4+) und Lluvia continuada (6 A1) sehr anziehend, aber leider haben wir auf Anhieb die Einstiege nicht gefunden. Selbst Schuld, könnte man sagen, aber wenn du als Zuagroasta im (übrigens sonst sehr ausführlichen und verlässlichen) Führer liest: Vom Sattel zwischen Bischofsmütze und Brunnkogel links in einer Latschengasse ca. 50 m absteigen, dann misstraust du schon einmal deinem Instinkt und steigst ab, zumal dem Indianerauge die deutlichen Spuren (vorangegangener Irrläufer) nicht entgehen. Kurz und gut: Der 50-m-Abstieg beginnt nicht im Sattel, sondern etliche Minuten weiter oben, direkt am nicht zu übersehenden Einstieg zum NW-Grat; hier auch ein kleiner roter Pfeil „Vö-Pf“.
Dies ist nicht das einzige Beispiel, dass gut gemeinte, aber nicht ganz korrekte Führerbeschreibungen manchmal den gesunden Menschenverstand trüben können.
Zwei Dinge haben wir uns beim Abstieg geschworen:
a) weiterhin unsere Instinkte nicht zu vernachlässigen, und
b) nächstes Jahr halt doch wieder zum Höllengebirge aufzubrechen ...

Berggeister der alten Schule sollten sich vielleicht auch unseren Bericht Eiblgupf NO-Wand/Hirschluckensteig ansehen.
(20.07.07)

Literatur: Hauzenberger: Höllengebirge. Wander-, Kletter- und Schiführer. Vöcklabruck: Hauzenberger 2005.

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