nature-classic

Sparafeld, 2248 m. S-Pfeiler, 5

80-Jahres–Jubiläum eines wiederentdeckten Peterka–Klassikers.

Gesäuse, Admont, Steiermark. Mautstrasse Oberst Klinke Hütte. Zustieg 400 Hm + 12 Seillängen (300 Hm).

ÜbersichtKarte

Ende Oktober 1927 bereicherte der unermüdliche Hubert Peterka (zusammen mit F. Herrmann) sein unüberschaubares Erstbegehungskonto um eine weitere Neutour. Zunächst oft wiederholt und von einigen damals namhaften Kletterern mit etlichen Varianten versehen, geriet die an sich schöne Tour im Lauf der Jahrzehnte langsam in Vergessenheit. „... gerade durch diese völlig unbegehbar aussehenden Überhänge ... sofort Quergang nach re. auf ungemein brüchigem Fels ... über einen äußerst brüchigen Überhang gerade hinauf ...“ - die Beschreibung im alten Heß-Pichl-Führer war trotz der „V-“ - Bewertung nicht gerade verlockend, die Vertauenswürdigkeit des Hakenmaterials schon gar nicht.

Gut 30 Jahre nach der Erstbegehung wagte sich Walter Almberger „free solo“ über den Pfeiler, noch einmal 20 Jahre später zusammen mit Klaus Hoi sogar im Abstieg. Letzterem dürfte es gefallen haben – vor ein paar Jahren hat er auch diese Route saniert, begradigt und somit für viele Normalsterbliche einen schönen Weg geöffnet. Das Unangenehmste an der ganzen Unternehmung ist der Zustieg, und der wird ja hundertfach auch für die benachbarte Diagonale in Kauf genommen. Am Pfeiler selbst stellenweise etwas dubioses Gestein, das jedoch nicht wirklich stört. Es bereichert eher das alpine Ambiente und wird durch viele außergewöhnliche Passagen mehr als wettgemacht. Unter der steilen, festen Kante der 3. Seillänge kommt richtiggehend Fiameskanten-Feeling auf, und kaum entlässt uns die fotogene, aber überraschend einfache Piazstelle im obersten Teil, werden wir von einem der schönsten Gesäusepanoramen gefesselt, unterstrichen von der  Fantasy-Kulisse der Wildscharte in engster Nachbarschaft.

Da der Pfeiler nicht sehr hoch und die Seillängen meist kurz sind, bleibt genügend Zeit zum Auslaufen, etwa auf den Kalbling oder gleich auf die Riffl hinüber. Beim Abstieg kommt man kaum an den zahlreichen Verlockungen an der West- und Südseite des Kalbling vorbei ...

Sparafeld SüdwandSparafeld SüdpfeilerErich erreicht soeben den 1. StandUlli nach dem Quergang der 1. SLErich in der 2. SLUlli in der 3. SL (Kante)über der Piazstelle der 10. SLUlli am Ausstieg, Admonter Reichenstein und Hochtorgruppe
(12.10.2007)

Literatur: Reinmüller/Hollinger/Mikofei: Xeis - Auslese. Bergrettungsdienst Gsäuse.
Schall/Grabner: Genuss-Kletteratlas Österreich Ost, Band 2 Steiermark. Wien: Schall.

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