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Nomelandsfjellet, 795 m. O-Wand „Einfach schön“ 6+

Setesdalklassiker unter wandernden Wassern.

Valle, Setesdal, Aust-Agder, Norwegen. 14 Seillängen, 500 Hm.

P gleich nördl. der Otrabrücke, 0,5 km nw. von Valle - der E ist 250 m Luftlinie vom P entfernt - O-Wand - Ausstieg am westl. Seeufer - Abstieg nach N übers Plateau, dann Waldsteig mit etlichen Seilsicherungen - Rast- und Badeplatz RV9 an der Otra - neben der Reichstraße auf Radweg 1,7 km zurück zum P.

Übersichtdie Ostwand des Nomelandsfjellet; hinter dem „Gipfel“ liegt ein See, der über die Wand entwässertauf dem Übersichtsfoto beenden wir soeben die 6. Seillänge; der angedeutete Wasserstreifen links des Schildes lässt noch keinen Verdacht aufkommen

Eine tolle Granitreise, laut Führer der Klassiker im Setesdal. Ganz locker steigen wir mit einem 60-m-Seil ein, in Wandmitte werden wir regelrecht überrollt von einer  Alpinüberraschung der besonderen Art. Wir klettern jetzt seit weit über 20 Jahren zusammen, die Zahl der gemeinsamen Seillängen ist vermutlich längst in den fünfstelligen Bereich gerutscht. Trotzdem lernt man in den Bergen nie aus - der Tod ist zwar nicht unser Seilgefährte, dennoch hätte Walter Pause die unvorhersehbare Trumpfkarte der Wand vor fast einem halben Jahrhundert vielleicht in seine legendäre alpine Kuriositätensammlung mit aufgenommen.

Ulli weiß Ronja in guten Händen - und ist am Einstieg nicht zu bremsendie Stände sind weit; in der 2. SL schnappt sich Ulli dann doch das Seil - auch in den folgenden vier Seillängen gibt es noch keine Zwischenhakensie verlässt den 3. StandUlli kurz vor dem 6. Stand; die folgende Seillänge quert oberhalb der Kante des Überhanges 35 m nach rechtsin der gesamten Querung ein BohrhakenUlli am Beginn des QuergangsUlli in der 8. Länge, an der rechten Seitenkante des „Schildes“; ein mittlerer Keil und ein 2er-Friend sind ihre einzigen FreundeErich ist gespannt, was sich die Göttergattin gebastelt hatauf der Oberkante des „Schildes“ - ein feiner Aussichtsplatz über dem Tal; rechts der Ortskern von Vallewir wenden uns wieder der Wand zu - und staunen nicht schlecht: Starke Windverfrachtung lässt einen frischen, breiten Wasserstreifen entstehen, der die Schwachstelle des Normalweges links drüben in Sekundenschnelle flutetAbseilen mit dem vorhandenen Einfachseil ist so gut wie unmöglich; Ulli  zaubert sich daher die Abkürzung hinauf - direkt über die unglaublich glatte 7. SL von „Straight on“ zum nächsten Standdarüber werden die Schwierigkeiten wieder moderater, auch das Wasser ist wieder dort, wo es sein sollte; Erich hat den 10. Stand erreichtTiefblick vom 10. StandUlli in der 11. SL; noch einmal müssen wir übers Wasser, ...... was sich als viel harmloser entpuppt als erwartetErich kommt in der letzten Seillänge zum Zug; der Ausstieg aus dem Yosemite-Riss zeigt noch einmal Zähneam Seeufer Zufriedensein auf allen Linien; in einer wunderschönen Wand haben wir durch überlegtes Bündeln unser beider Stärken aus einer leicht prekären Situation gefunden - Emanzipation in ihrer schönsten AusprägungAbstieg übers Plateau, Blick nach N zur breiten Homfjelletwand
(24.08.2013)

Allgemeine Reise-Infos sowie Links zu weiteren Touren in Norwegen findet ihr zu Beginn bzw. am Ende unserer Nordkap-Wanderung zum Knivskjellodden.

Literatur: Weninger/Brunnert: Setesdal. Klettern in Südnorwegen; dreisprachig. Köngen: Panico Alpinverlag 2013. ISBN 978-395611-000-9

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