nature-classic

Pailkopf, 2524 m

Rätselhafter Unbekannter im Schatten des Graukogel.

Venedigergruppe, Hollersbach, Pinzgau, Salzburg. Aufstieg 1700 (1900) Hm.

P Seestube, sw. Ortsende v. Hollersbach - Forststraße Hollersbachtal ca. 2,5 km bis zur Materialseilbahn vor der Leitneralm - Steg über den Hollersbach - Jagdsteig durch den Scharrnbachgraben bis vor die große Wildfütterung auf ca. 1250 m - neue Forstraße zur Scharrn-Grundalm.
Erich erreicht diesen Punkt auf einem gehörigen Umweg: Hollersbach-Überquerung bereits auf Brücke, 904 m, Forststraße Brand-Wehrwald - Mühlbacher Schlag bis unterhalb Geralm - neue Forststraße und anschließend Jagdsteig nach S zur Achselalm - Abfahrt Hinterflecktruhealm - Scharrn-Grundalm (s. gepunktete Linie auf der Karte).
Scharrn-Hochalm - Kühkar - direkte N-Flanke/oberer NNW-Grat. - Abfahrt ab Scharrn-Grundalm auf der neuen Forststraße zur Brücke, 904 m.

ÜbersichtKarte; gepunktet Erichs Aufstieg über die Achselalmder Routenverlauf ist verwinkelt und schwierig darzustellen, hier die Ausgangssituation v. NO. Das Scharrn-Hochtal ist der einzige Seitenast des Hollersbachtales, er verzweigt sich auf der Hochalm neuerlich in eine Reihe von schlauchförmigen TraumkarenKühkar und Pailkopf werden erst auf der Achselalm (gegen Ende von Erichs eigenwilliger Zustiegsvariante) sichtbar; die Perspektive täuscht: Der Pailkopf ist wohl 300 m niedriger als der Graukogel, aber 200 m höher als das Wildloseckder beste Überblick zur Gipfelbesteigung bietet sich von NW, etwa vom selten erstiegenen Mahdleitenkopf (s. Archiv)Eisgebilde neben der neuen Forststraße östl. unterhalb der Geralm

Unsere Touren auf den Breitkopf und besonders auf den Mahdleitenkopf bestätigen die längst gehegte Vermutung auf ein verborgenes Tourenparadies rund um die abgelegene Scharrn-Hochalm. Seit 2009 führt eine Forststraße mit unzähligen Kehren in diesen verschwiegenen Winkel (in der neuesten ÖK bereits verzeichnet). Über häufigen Besuch würde sich die Jägerschaft dennoch nicht freuen, führt sie doch im Grabengrund unmittelbar an einer riesigen Wildfütterung vorbei. Wirklich großräumig umgehen kann man sie nur auf Erichs extravaganter Irrfahrt über die Achselalm - ob die allerdings viele Anhänger finden wird, sei dahingestellt. Ulli und Ronja haben nach der gestrigen Geige (und all den super Touren in der Woche zuvor) endlich einen Rasttag eingelegt, und so macht sich Erich ausnahmsweise allein auf, das Rätsel zu lüften. Landschaftlich lässt die lange Traverse (die erste Hälfte ebenfalls neuerdings auf einer Forststraße) nichts zu wünschen übrig. Die am Jagdsteig zu querenden Steilrinnen waren gerade noch ohne Steigeisen zu machen, wegen der Zwischenabfahrt vermehren sich die ohnehin nicht zu knappen Höhenmeter abermals. Ein Kompromiss ist der Direktaufstieg über den Jagdsteig unter der Materialseilbahn: Wenn man früh genug links ausquert, kann man ausreichend Abstand zur Fütterung halten. Der Steig war überraschenderweise bis hinauf zur Hochalm gespurt, dahinter hat man das Gefühl einsamster Entlegenheit.

auf der langen Jagdsteig-Traverse; Blick über die Achselalm und den Eingang des Scharrn-Hochtales zum Talschluss des HollersbachtalesRückblick von der Achselalm nach N (Pass Thurn); deutlich erkennbar der Jagdsteig, der auf dem Sporn oberhalb der Bildmitte in die neue Forststraße übergeht. Obwohl sich in den steilen Flanken wenig Schnee gehalten hat, können drei harte Rinnenquerungen manchmal Probleme bereitenBlick von der Achselalm übers Hollersbachtal hinweg nach OSOkleiner Eisfall auf der Zwischenabfahrt zur Hinterflecktruhealmendlich ist das Hochtal erreicht; Scharrn-Grundalm mit Schafkopf (rechts)auf der Scharrn-Hochalm endet die Spur eines Alleingehers; darüber wieder der Schafkopf, wir halten uns scharf links

Von der Hochalm fächern sich die lohnenden Optionen in beeindruckender Weise auf. Richtung Karscharte zu Mahdleitenkopf, Breitkopf oder Schafkopf. Geradeaus hinauf in die gewaltige Schneegrube, aus der hinter dem Pailgrat noch ein weiterer Karschlauch zum Graukogel zieht und ein ultimatives Schiabenteuer verspricht. Erich entscheidet sich für das naheliegende Kühkar, perfekt geneigt zwischen dem düsteren Pailgrat und den wilden Häuptern der Kühköpfe. Lange bleibt unklar, welcher Zacken jetzt eigentlich der Pailkopf ist. Am Fuß der höchsten Gipfelflanke ist Schidepot, in tiefem Schnee werden bei bis zu 50 Grad Neigung noch einmal jede Menge Kalorien verheizt. Letztendlich führt ein kurzes Schneeband rechts hinaus auf den Grat, noch eine heikle, ausgesetzte Stelle, und man steht auf dem außergewöhnlichen Gipfel. Der zum Greifen nahe Graukogel ist noch um mehr als 300 m höher und verstellt die Sicht auf den Großvenediger, die Eindrücke rund herum lassen sich aber auch so kaum mehr überbieten.

am Aufstieg ins pittoreske Kühkar; der links begrenzende Kühkopf entpuppt sich als abenteuerliche Zinnenreihebeim Schidepot am hintersten KarbodenBlick aus der steilen Gipfelflanke geg. NO, links Pihapper, rechts Stubenkogelder NNW-Grat ist erreicht: Blick nach N auf Pailgrat, Schafkopf und Kitzbühler AlpenGipfelblick vom Pailkopf nach NO aufs Salzachtal bei Mittersillweiter im Uhrzeigersinn zu den (Schi-) Riesen auf der anderen Seite des Hollersbachtalessüdlich des Hohen Herd werden dann nur noch ausgefuchste Tüftler fündig; der Winterraum der Fürther Hütte ist dort ein toller Stützpunkt für verwegene Fantasienim S hat man elitäre Einsicht in die 2000-Hm-Abfahrt vom Blessachkopf über Waidsfeldkees und Gamskarl ins Hollersbachtal. Auch ein Klick auf die Rote Säule (im Archiv) macht sich auf jeden Fall bezahlt. Die Venedigergruppe ist einfach der Wahnsinn!im SW erhebt sich der gewaltige Graukogel weitere 300 m über unseren Gipfel und versperrt die Sicht auf den Großvenediger. Die Freude ist groß, eine jahrelang angedachte versteckte Traumlinie ist  in greifbare Nähe gerücktdie Fortsetzung der Graukogel-Gipfelrinne nach unten in die Schneegrube - ein neues 2000-Hm-Menü auf unserem GourmetplanBlick nach NNW auf den Pailgrat, die scharfe Trennlinie zwischen Schneegrube und Kühkarund wieder nach N, ...... wo die steile Gipfelflanke ...... und das viel sanftere Kühkar zurück ins Tal schweben lassen
(09.02.2011)

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