nature-classic

Innerrodelgungge, 2729 m

Gführige Mehrwerttour durchs Zinsental.

Villgratner Berge, Staller Sattel, Osttirol. Aufstieg 800 Hm.

P Staller Alm, 2 km nö. unterhalb der Passhöhe (selbst im Hochwinter geräumt, ev. Schneeketten, mit dem Postbus erreichbar, Hütte bewirtschaftet, die restliche Strecke zur Staatsgrenze präpariert)– Zinsental – NO-Flanke/N-Grat.

ÜbersichtKarteunser Aufstieg samt Variante durchs Weißenbachtal von NNW (Gr. Mandl)Nikolaus hinterm Parkplatz Staller Alm; der Aufstieg ins Zinsental beginnt bei der ersten Straßenkurve nach links hinauf

Das Gebiet um den Staller Sattel, dem Grenzpass zwischen dem Defereggental und dem südtiroler Antholzer Tal, zwischen Rieserfernergruppe und den Villgratner Bergen, hat sich zum Hotspot für Eingeweihte entwickelt. Die Stilllegung des kleinen Schigebietes bringt wohltuende Ruhe, die weiterhin geräumte Straße lässt uns mühelos den oft lästigen Waldgürtel überwinden und ein winterliches Weltklasse-Hochgebirgsambiente schauen – der scharf strukturierte Wildgall erringt dabei in puncto Ästhetik wohl den ersten Preis. Gleich fünf Gipfelziele mit etlichen mehr oder weniger ambitionierten Varianten machen die Wahl zur Qual - einzige Medizin dagegen: alle besteigen. Spezialisten können nach Neuschneefällen von der Autotür weg mit ihren hoffentlich kundigen Spürnasen die Lawinensituation beschnuppern und notfalls ihre Spuren dann lieber doch in der warmen Stube durch die Germknödel-Vanillesauce ziehen. -
Nach kurzer Zeit verlassen wir die präparierte Passstraße und spuren durch die kurze, steile Auslaufschlucht des Zinsenbaches hinauf ins weitläufige Kargelände zwischen dem Kärlskopf mit seiner extrem engen NW-Rinne und unserer Innerrodelgungge (eine Erklärung zum Wort Gungge gibt's auf unserer Tour zur Kreuzspitze). Spätestens hier wird klar, dass wir diesmal aus verhältnismäßig geringem Aufstiegskapital eine fette Abfahrtsrendite erschwingen werden. Sonnenhungrige halten sich anfangs eher links und füttern ihren Entdeckerdrang mit einem gefinkelten Rampensystem in weitem Rechtsbogen gegen den Hauptkamm. In unserem Fall – Ronja, 2, ist bald nach der Bachschlucht in ihren Dreifachdaunen eingeschlafen, Nikolaus, 16, favorisiert mit seinem Snowboard eher steilere Direktvarianten – ist die kürzere Normalroute vorzuziehen. An der kleinen Terrasse auf 2500 m ist Endstation für Mutter und Kinder – der steile Hang hinauf zum Nordgratsattel ist fast etwas zu steil für die herrschenden Verhältnisse. Der Papa probiert‘s mit gebotener Vorsicht, im steilsten Teil zu Fuß an einer hart gepressten Rippe gerade hinauf, am Sattel sicherheitshalber Schidepot und über den Nordgrat zum Gipfelkreuz. Bei der Abfahrt ergibt ein kleiner Testanschneider eine tadellose Bindung der oberen Schneeschichten, zumindest in dieser Ecke kann man die LGS heute von 3 auf 2 entschärfen. Ein runder Tag also, mit vollständigem Menü - alpiner Pulvertraum auf talseitiger Vanillesauce.

unterhalb des kurzen Steilaufschwungs der Zinsenbachschlucht; Ronja in ihren drei Daunenschichten schläft soeben einRückblick nach der Steilstufe aus dem sich öffnenden Zinsentalim OSO der 2836 m hohe KärlskopfNikolaus arbeitet sich mit Schneeschuhen und Board das Tal hinaufUlli spurt die ganze Strecke; über ihr der Nordgratsattel und unser GipfelRückblick aus der steilen Gipfelflanke; Nikolaus zieht sich sicherheitshalber auf einen terrassenartigen Sporn zurück, Ulli ist mit Ronja bereits weiter unten bei der AbfahrtErich hat mit aller gebotenen Vorsicht den Nordgratsattel erreicht; Blick nach NW zum HochgallGipfelblick nach Odaran anschließend das Panorama im SOim S überwältigen immer wieder aufs Neue die Dolomitenauch im WSW ein Schiberg nach dem anderenim WNW die 3000er der Rieserfernergruppeim N das Panorama auf den einsamen Panargenkamm der Venedigergruppe und die zwei Abfahrtsmöglichkeiten
(27.12.2012)

Literatur: Mariacher: Schitouren in Osttirol, Band 1. Tristach: Bookz 2011.
Schall/Weiss: Genuss-Schitourenatlas Südtirol & Österreich Süd. Wien: Schall.

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