nature-classic

Wagenstein, 2849 m - Östl. Stortenscharte, 2691 m

Alpine Variationen über der Ochsenlenke.

Villgratner Berge, St. Jakob in Defereggen, Osttirol. Aufstieg insgesamt 800 Hm.

P Schigebiet Brunnalm, 2 km osö. von St. Jakob in Defereggen - 2 Sektionen mit Gondel und Sessellift (Brunnalm - Mooseralm; Tourenkarte 25,50 €!!) - Querung der S-Flanken von Gr. Leppleskofel und Hochleitenspitze - Ochsenlenke - SSW-Grat Wagenstein - Ochsenlenke - Abfahrt ins Brugger Almbachtal bis auf ca. 2450 m - N-Rinne in die Östl. Stortenscharte - Brugger Alm - Piste.

ÜbersichtKartewenn die Verhältnisse gegen den Plan arbeiten - ein Fotosteckbrief der Tour: zum Auftakt die 4 km lange Querung zur Ochsenlenkeauf halbem Weg zu unserem ursprünglichen Ziel, der Hochgrabe, nötigt uns eine lange Kette von gewaltigen Wechten zu einem Ersatzprogrammgroßteils zu Fuß steigen wir über den SSO-Grat auf den Wagensteinnach der Einfahrt ins Brugger Almbachtal folgt des Abenteuers zweiter Teil, ...... die einfachste Freeride-line zwischen Gr. Degenhorn und Rote Spitze, das prachtvolle Couloir zur Östl. Stortenscharte - haarscharf den Schneeverhältnissen angepasst

Unsere fünfköpfige Gruppe hat sich ein extravagantes Ziel gesetzt: die Hochgrabe - so ziemlich der entlegenste Gipfel der Villgratner Berge - aus dem Deferegger Tal. Mit der überteuerten Tourenkarte der Brunnalmbahnen erkaufen wir uns zwar die ersten 900 Hm auf der langen Route (10 km Luftlinie einfach), auf gut halbem Weg ziehen wir aber vehement die Notbremse: Die starke Windverfrachtung hat den ostseitigen Steilabbruch der Ochsenlenke mit einer weit überhängenden Riesenwechte gekrönt - architektonisch wunderbar, aber nicht wirklich gruppenfreundlich. Die gigantische Schischanze der Hochgrabe vor Augen sinnen wir nach einem spannenden Ersatzprogramm für unsere drei sprungbereiten Freireiter. Und siehe da - warum in die Ferne schweifen?
Direkt über der Ochsenlenke zieht ein gestufter Urgesteinsgrat auf den 100 m höheren Wagenstein. Mit kurzen, steilen Klettereinlagen, aber gerade gut ohne Steigeisen zu machen; mit einer klaren Linie, aber etlichen eingestreuten Wechten, welche die Sinne schärfen; bei strahlend blauem Himmel, aber mit böigen, eisnadelgespickten Windstößen bis gegen 100 km/h, die zeigen, wie es hier oben sein kann, aber Gott sei Dank heute nicht ist. Kurzum, ein perfektes, überschaubares Schnupperbeispiel für eine abgelegene, hochwinterliche Gratkletterei.

Ausgangspunkt Mooserberg im Schigebiet Brunnalm; gegenüber im W die Langschneid, eine Standardtour über St. Jakob in Defereggenauf flachem Gelände beginnen wir die lange Hangquerung aufs Gr. Degenhorn zuim S der rassige Kamm um die höchsten Villgratner, an dem fast ausschließlich extreme Schiabenteuer zu holen sindsobald die Hänge etwas steiler werden, drängt Ulli auf Entlastungsabständeim WNW werden hinter der Ragötzllenke Wild- und Hochgall der Rieserfernergruppe sichtbarder Wind hat bei der Tourengestaltung nicht nur im Moment entscheidendes Mitspracherechtunser Blick immer auf der Suche nach lohnenden Möglichkeiten; noch wissen wir nicht, dass wir drei Stunden später unsere Spur durchs aufregende Couloir in Bildmitte ziehen werdenBlick von der Ochsenlenke nach WNWnach O zu kragt eine lange Wechtenreihe über die darunter liegenden, steilen Hängekurzerhand wenden wir uns einem anderen Ziel zuam ebenfalls stark überwechteten Wagenstein SSW-Grat lassen wir bald die Schi stehenin gebührendem Abstand zur tückischen Schneide kämpft sich Günter in den starken Böen emporWetter und Grat bieten alle Zutaten für ein unvergessliches Abenteuer auf einem nahezu unbekannten Gipfelschon weit unten liegt die Ochsenlenke am Fuß des Gr. Degenhorn; noch ein paar Schritte und für Ulli werden die Sextener Dolomiten sichtbarUlli am Gipfelsteinmann, Blick nach Oim NW die Hochleitenspitzeim N reicht die Sicht über den Lasörlingkamm ...... bis zum Tauernhauptkamm (die Überschreitung des östl. Lasörlingkammes auf halber Höhe quer durchs Bild s. Archiv Bergsteigen)im SO unser ursprüngliches Ziel im Zentrum der Villgratner Berge

Auf der sanften Abfahrt durchs lange Brugger Almbachtal entschließt sich der harte Kern der Truppe noch zu einer saftigen Draufgabe, und so spuren wir in perfektem Pulver das ideal steile Couloir westl. des Gr. Degenhorn hinauf zur Kammhöhe. Die Sicht aus der Östl. Stortenscharte gleicht dem Blick von einem der benachbarten Felsgipfel: unter uns die einmalige, breite Rampe des Degenhorn-Normalweges, darüber die Sextener Dolomiten. Was wir von der Abfahrt erwarten dürfen, wissen wir schon vom Aufstieg her, trotzdem verteilen die Villgratener Berge ganz unten noch ein Stammkundengeschenk - die kurze, supersteile Abkürzerrinne zwischen 2500 und 2400 m hinunter zum Brugger Almbach. Die sich sammelnden Spuren der Variantenfahrer vom gegenüberliegenden Schigebiet ermöglichen zuletzt noch eine flotte Schussfahrt das urweltliche Tal hinaus.

Blick vom Gipfel des Wagenstein auf die Abfahrt durchs Brugger Almbachtal und die krönenden Gipfel von Stortenspitze bis HochgallRückblick zum Wagenstein; hier entscheiden wir uns für die rassige Draufgabeunsere erste Tour ohne Ronja - sie hat uns beiden ein Maskottchen mitgegeben; in Bildmitte das Stortenscharten-Couloirdie majestätische Stortenspitze; wir befinden uns kurz unterhalb der ScharteGünter und Erich auf der Scharte; Blick gegen O auf den ersten von mehreren Degenhorn-Vorgipfelnim SO wieder die Hochgrabeim S unter uns die zahlreichen Spuren der beliebten Degenhorn-Normalroute von Innervillgraten, darüber ein gewaltiger namenloser Berg, sehr verlockend die schattige Riesenrampe unter den Felsen der Kaschaswand; ganz hinten die DolomitenGünter und Roman vor der AbfahrtEinfahrt in die Rinneim oberen Teil des Couloirskurz vor der Schwelle zum steileren Mittelteilnur unsere Spur durchkreuzt die traumhaften Hänge; gegenüber der Gr. Leppleskofel; oberhalb der Licht-Schatten-Grenze verläuft unsere Spur vom Vormittag zur Ochsenlenkeim steilen Seitenast des unteren Couloirsim Grund des Almbachtales gleiten wir hinaus ...... zur Brugger Alm; rechts der Mitte die Stortenspitze
(1.1.2013)

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