nature-classic

Planinica, 2330 m

Tiefsee-Schitour auf montenegrinisch.

Dinarische Alpen, Durmitor, Žabljak, Montenegro. Aufstieg 1100 Hm.

P unterhalb des Weilers Bosača, ca. 4 km wnw. v. Žabljak (Schneegrenze) - Forststraße zum Sommerparkplatz unweit des Zminje jezero (Schlangensee) - Talschluss Surdup, Schmelzwassersee - Alm Crepulj poljana - Steilrinne zwischen Glave und Crvena greda auf die Donja Ališnica - Gornja Ališnica - O-Flanke auf den Gipfel.

ÜbersichtKarteDurmitor-Panorama von O

In den Augen von Montenegrinern und Albanern gehören Schitourengeher nach wie vor zu den erstaunlichsten Exponaten im Kuriositätenkabinett der Natur. Zwar stürmen in den Wintermonaten vor allem serbische und russische Alpinfahrer das überregional bekannte Schigebiet von Žabljak (zwei Liftgebiete, Tageskarte um die 15 €), der typische Osttourist zeigt aber generell wenig Verlangen nach körperlicher Ertüchtigung und frönt im Urlaub eher fleischlastigen kulinarischen Herausforderungen. Gewiefte mitteleuropäische Reiseveranstalter (wie etwa die Bergspechte oder high life) bieten neuerdings Schitourenreisen zum Durmitor an, allerdings bislang nur auf eine Handvoll Standardgipfel nahe den Liftgebieten vor der Haustür (Štuoc, Međed, Savin kuk, Sljeme). Neben dem legendären Balkanfirn bieten zurzeit also noch echt nature-klassische Bedingungen den unwiderstehlichen Anreiz, auch noch im Mai mit Schi in den wilden Südosten Europas zu pilgern: Keine Schiführerliteratur, keine Bergrettung, das Kartenmaterial kann es in puncto Geländedarstellung nicht mit den schweizer oder österreichischen Spitzenprodukten aufnehmen. Losgehen, schauen, auswählen und probieren, ob's geht - ein neolithisches Urvergnügen voller Überraschungen!
Wir haben an der Südseite des Sljeme eine alpin angehauchte Überschreitung probiert, zuvor am Zustieg zur Planinica im zentralen Durmitor aber noch eine Premiere der anderen Art gefeiert ...

unsere Planinica liegt weit hinten im zentralen Durmitornach einem Kilometer ungeräumter Forststraße erreichen wir den Sommerparkplatz nahe dem Schlangensee; erstaunlicherweise ist solch ein Wanderwegschilderwald in Montenegro allgegenwärtigim Surdup, dem Talschluss unter der SO-Wand der Crvena greda, 2164 m, bildet sich im Frühjahr ein großer temporärer Schmelzwassersee, in dem zuweilen nicht nur die Wegmarkierungen versinkenum eine aufwändige Umgehung zu vermeiden, testet Erich kurz entschlossen die Tragfähigkeitauf den letzten drei Metern Lektion Nummer 1: in Montenegro sind naturnahe Flussüberquerungen an der TagesordnungErich nimmt sich das zu Herzen und wird am Ende der Reise sein Idealgewicht erreichenJesus hätte es besser gemachtaber auch die Mädels finden einen anderen Wegbei der nächstbesten Rast im Hochwald ...... reduziert sich Erich wieder auf seinen normalen Wassergehalt; Aktionen dieser Art empfehlen sich nur im warmen montenegrinischen Frühlinggleich darauf die Waldgrenze: Alm Crepulj poljana mit Glavepfeilerdie einzige schärfere Einlage der Tour: ...... bis zu 45 Grad steil ist die ...... Rinne zwischen Glave und Crvena greda, einem im Sommer gleichfalls beliebten Wanderbergoberhalb der Rinne erreichen wir mit den weiten Böden der Ališnica das Dach des Durmitor; auf die Planinica ist es allerdings noch ein Stückein perfekter Spielplatz für Ronja, ein paar Meter weiter unendliche Krokusfelderdie einzelnen Plateaukessel kann man durchqueren oder rechts umgehen; im S die Strugascharte rechts der Bezimeni vrh, 2487 m, hinter dem sich der höchste Durmitorgipfel verbirgtdie Gipfelflanke der Planinica von Oam schneefreien Gipfelplateau findet sich das Buch, gestiftet von serbischen Bergsteigern aus Novi SadGipfelpanorama von der Planinica: im S die höchsten Berge des Durmitorim SW das mächtige Prutaš-Massiv, welches den Durmitor-Westflügel bildetim NW locken bislang noch nie unternommene Abfahrten ins Sušicatal, links unten der Suvi klek, 2236 m; die völlig unbekannten Schiberge links hinten gehören bereits zu Bosnien-Herzegowinaim SO schließt sich der Kreis, die Mädels warten im tiefsten Sattel Richtung Žabljakder obere Teil der AbfahrtUlli und Ronja am Hochflächenrandim Sattel oberhalb der SteilrinneEinfahrt in die Rinneder einmalige Frühjahrsfirn südlicher Länder: am Morgen kaum jemals hart, aber auch gegen Abend noch gut zu fahreneins ist klar: Das war die erste ...... aber sicher nicht unsere letzte Schitour am Balkan
(02.05.2013)

Karte: Durmitor 1:50.000, erhältlich vor Ort oder z. B. bei Freytag&Berndt, Wien.

Allgemeine Reise-Infos sowie Links zu weiteren Touren in Montenegro findet ihr zu Beginn bzw. am Ende unserer Wanderungen auf den Ćurovac und die 3-Seen-Runde am Durmitor.

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