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Amaißbühel, 1828 m. NNW-Rinne

Abenteuerliche Entdeckungsreise zwischen Schwarza und Kalter Mürz.

Mürzsteger Alpen, Schneealpe, Hinternasswald (oder Neuwald/Frein an der Mürz). Niederösterreich, Steiermark. Aufstieg 1600 Hm.

Hinternasswald – Wasseralm – Lettingquelle – Natternspitzrinne – Hoher Turm, 1455 m – Eisenkogel – NNW-Kamm Amaißbühel – Lurgbauerhütte – Schauerwand – Kreuz nw. der Lurgbauerhütte – Amaißbühel NNW-Rinne – Ebenwald – Baumtal (Kalte Mürz) – Edelbacher – Goldgrub Forststraße – Nördl. Kreuzsattel – Forststraße nach Hinternasswald.

ÜbersichtKarte

Ein entlegenes Gebiet, kaum in der Literatur erfasst, noch dazu an einem Blattschnitt der Österreichkarte. Keine geeigneten Nachbargipfel, von denen man vielleicht dem Geheimnis durch Fernerkundung auf die Spur kommen könnte. Schlechte Wetterprognose und überhaupt Schneemangel in tieferen Lagen. Und dennoch ein Wahnsinnstag auf einer Supertour, die wir noch oft wiederholen werden, hinter deren vielversprechenden Kulissen eine ganze Serienstaffel auf ihre Entdeckung wartet. We love mountains …

Unter dem schlanken Hochturm, 1254 m, dem Wahrzeichen des hinteren Wasseralmgrabens, lassen die paar Schneeflecken leicht den schmalen Steig südlich hinauf in die Natternspitzrinne erkennen. Das Gelände ist felsdurchsetzt und teilweise sehr steil, bald verschwindet der Steig dann doch unterm Schnee; ganz leicht zu finden ist der beste Anstieg nicht, erst die letzten 250 Hm auf den steirisch-niederösterreichischen Grenzkamm hinauf bieten gemäßigtes Schitourengelände in mehr oder weniger lichtem Hochwald. Diese Etappe lässt sich auch weiter, dafür angenehmer umgehen: auf der Forststraße von Hinternasswald Richtung Sonnleitstein bis zu den Kehren unter dem Kreuzsattel und links (ssw.) hinauf auf den Grenzkamm.

Ulli am abenteuerlichen Grenzkamm zum Amaißbühel. Nächster Gipfel: EisenkogelEisenkogel Nordkamm gegen O (Rax)

Spätestens am Eisenkogel merken wir, dass diese Tour etwas Besonderes ist. Der Grat ist abenteuerlich anzusehen und trotzdem problemlos zu begehen.  Nach und nach lüftet sich das Geheimnis um die abgelegene Schneealpen-Nordseite, Fantasien über mögliche großzügige Touren kommen ins Rollen. Und plötzlich die ultimative Rinne, unbekannt und jungfräulich. Nicht extrem steil, aber sanft eingebettet in eine felsige Karmulde. 350 berauschende Höhenmeter bis zur Baumgrenze, wo sie sich als abenteuerlicher Waldgraben mit mehrmaligem Richtungswechsel bis ins Tal der Kalten Mürz hinaus fortsetzt. Ästhetisch anregend und abgelegen, wie eine Schneeader im iranischen Zagrosgebirge, nur 70 km  Luftlinie vom Stephansdom entfernt.

Eisenkogel gegen SW - die abgelegene Schneealpen-Nordseiteerster Blick auf die Amaißbühelrinne

Aussichtsreich und fast mühelos geht’s über den abgeblasenen NNW-Kamm auf den Amaißbühel. Dort erkennen wir die Schneealpe als Miniaturausgabe des Hochschwab, sofort erwacht der Wunsch, in die Weite des Plateaus einzutauchen. Die angekündigte Front hat uns bis jetzt nicht ganz erreicht, und so marschieren wir noch schnell auf die benachbarte Schauerwand hinüber.

Amaißbühel gegen NW (Ötscher und Göller)Schneealpenplateau mit Windberg vom AmaißbühelErzherzog Johann-Kreuz auf der Schauerwand, links die HeukuppeEinfahrt in die Rinneim Mittelteil der RinneUlli im felsigen Mittelteil der Rinne

Unsere Rinne hält, was sie versprochen hat. Sie misst 2,5 km bis ins Haupttal, dort gleiten wir entlang der Kalten Mürz hinaus, vorbei an weiteren interessanten Grabenmündungen, wie Dirtler Schlucht und Kleinbodengraben. Beim Auslauf des Taborkares treten wir endlich den Heimweg an, es beginnt in dicken Flocken zu schneien, aber die Trasse der Forststraße lässt auch bei düsterem Wetter keine Orientierungsprobleme in dem weitläufigen Waldgebiet aufkommen.

Die 12 km Rückweg auf Forststraßen darf man natürlich gern verweigern, folgende Abkürzer seien bei guter Sicht empfohlen:
- Auf 1400 m, wo unsere Rinne in den Wald eintaucht und nach W umbiegt, quert man orogr. rechts zur Baumtalhütte aus. Weiters die Waldhänge nö. leicht aufwärts zurück auf den Eisenkogel – also insgesamt nur gut 100 Hm Wiederaufstieg. Vom Gipfel nö. hinunter in die sehr steile Natternspitzrinne; kein Fehler, wenn man sie schon vom Aufstieg kennt.
- Weniger versierte Schifahrer haben die Möglichkeit, vom Haupttal (300 m nach Erreichen der Forststraße, wo sie bei einer kleinen Sandgrube nach WNW abbiegt) in nö. Richtung 300 Hm zum Grenzkamm aufzusteigen und jenseits zu den obersten Kehren der Sonnleitstein-Forststraße abzufahren.
(09.12.2007)

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