Preinerwand, 1783 m

Rax, Prein, Niederösterreich. Aufstieg 900 Hm (etwa zu gleichen Teilen Zustieg und Klettersteig).
P Griesleiten, knapp 3 km nw. von Prein an der Rax - Bachingerbründl - Holzknechtsteig - Haidsteig - Preinerwand. Mehrere Abstiegsoptionen, s. Karte.

 

ÜbersichtKartePreinerwand mit Haidsteig von Westen
Die gruselige Charakterisierung im Untertitel stammt aus dem uralten Raxführer von Fritz Benesch. In der Tat zählte vor 100 Jahren der „Hans von Haid-Steig“ (benannt nach dem damaligen Vorstand der AV-Sektion Reichenau) neben dem verwegenen „Königsschusswandsteig“ (eine alte Bezeichnung für die Preinerwand) zu den ersten und zugleich schwierigsten Klettersteigen der Alpen. Angeregt und finanziert wurden die kühnen Eisenwege von Camillo Kronich, der sechs Jahrzehnte - fünf davon als Hüttenwirt - am Ottohaus auf der Rax und für die Rax lebte. Die schwindelerregenden Arbeiten erledigte der „narrische Čepl“, ein Kunstschlossermeister aus Wien mit Hilfe eines eigens erfundenen „Kletterapparats“.
Während man dem Königsschusswandsteig - ursprünglich ein klassisches Allround-Abenteuer mit ungesicherten Kletterpassagen bis zum 3. Grad - mit seiner Totalsanierung im Jahr 2016 die meisten Zähne gezogen hat, ist uns beim Haidsteig das Original erhalten geblieben: Klettert man heute in den steilsten Zonen der Preinerwand über seine beiden legendären Steigbäume, hat man einerseits das Gefühl, durch ein Klettersteigmuseum zu tasten, andererseits muss man sich aber genauso festhalten wie in den schwierigen Vie ferrate moderner Prägung. Und landschaftlich lässt dieses Monument ohnehin nichts zu wünschen übrig.

die Preinerwand von Süden aus dem Griesleitengraben; der Haidsteig zieht ganz links hinter den beiden gestaffelten Schattenkanten emporkurz nach dem Bachingerbründl ...... verlassen wir am Holzknechtsteig den Wald und können schon bald ...... einen ersten Blick auf den unteren Teil des Haidsteigs werfen; im Kreis zwei Bergsteiger in den Platten oberhalb des ersten Steigbaumsam Einstieg zum Haidsteig am Fuß des Teufelsgrates (IV), einer kaum mehr begangenen Kletterei aus dem Jahr 1950nach einem Aufschwung landen wir in einer terrassenartigen Mulde mit Blick auf den ersten Steigbaum (rechts der Bildmitte), der von rechts angestiegen wirdder Original-Steigbaum des verwegenen Kunstschlossers ist über 100 Jahre altder Aufstieg am Steigbaum ist luftiger als auf einer Leiter, ...... da wie an einer Eisenbahnschiene die seitliche Begrenzung fehltder Steigbaum entlässt uns in eine Plattenflucht, ...... welche teilweise sehr steil und glatt ...... in einer geräumigen Nische endetin flacherem Gelände geht's durch eine muldenartige Rinne hinauf ...... zu einer breiten Schulter mit Blick aufs herbstliche Nebelmeer in Richtung Gloggnitz; hier kommt über eine Rampe der alte Haidsteig heraufvon der Schulter erspähen wir bereits den zweiten Steigbaumein Quergang wie aus einer Dolomitentour führt hinüberweil Mama sie heute ans Seil nehmen möchte, besteht Ronja ihrerseits auf den Vorstieg; in einer Woche wird sie achtder zweite Steigbaum wirkt noch luftiger als der untere, da man quasi „durchsieht“Tiefblick auf den zweiten Steigbaumes folgt eine kurze, ausgesetzte Querung ...... in einen eindrucksvollen, engen Felskesselan der Rückwand des Schlundes steigen wir empor ...... zur vielleicht schwierigsten Stelle des Haidsteigs: Zwei herkömmliche Leitern durchziehen einen kaminartigen Riss, ...... dessen Begrenzungswände durch all die Begehungen der letzten hundert Jahre teilweise spiegelglatt poliert sind - besonders bei Nässe eindeutig DAusstieg aus dem Kesselschlotkurz darüber der Buchplatz mit der Schwarzen MadonnaTiefblick auf den Holzknechtsteig, die schnellste Abstiegsvariante; über den Pfeiler rechts führt der Königsschusswandsteigüber etwas schrofiges, ungesichertes, aber nicht sehr steiles Gelände betreten wir die schattige Gipfelschlucht, ...... aus der eine lange Querung schräg links aufwärts ansetztüber plattige Bänder und Stufen ...... und einen weiten Spreizschritt ...... gelangen wir schnell zum Ausstieg; Blick gegen Westen: über dem Göbl-Kühn-Steig erkennt man das Karl-Ludwig-Haus und die Heukuppe, den höchsten Raxgipfelam Gipfel der Preinerwand, Blick ins östliche Flachland140 Höhenmeter tiefer die Neue Seehüttedie sanfteste Abstiegsmöglichkeit führt übers Waxriegelhaus, von wo man entweder zum Preiner Gscheid  oder zurück zum Parkplatz im Griesleitengraben absteigen kann
(12.11.2018)

© 2018 Ulli & Erich Haderer | nature-classic@gmx.at

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