Corno Grande, 2912 m

Gran Sasso, Assergi, Abruzzen, Apennin, Italien. Aufstieg 1000 Hm.

Reiseinfos Italien - Corno Grande - weitere Touren in Italien (südlich der Alpen)

Italien ist ebenso wie Spanien ein Land, das man sein Leben lang bereisen kann - immer wieder wird man versteckte Regionen aufspüren und dabei seine Überraschungen erleben. Eine solche Überraschung wurde uns auf der heurigen Sizilienfahrt zuteil - auf dem Campo Imperatore am Gran Sasso in den Abruzzen: Der Dalai Lama soll dort oben in Tränen ausgebrochen sein, weil ihn die Gegend so sehr an seine Heimat erinnert hat - Klein Tibet hoch oben zwischen Rom und der Adria! Davon und von einer eleganten Überschreitung des höchsten Apenningipfels handelt unser Italien-Pilotbericht; Links zu weiteren Touren in fast allen Regionen des Landes ganz unten.
Will man mit dem eigenen Fahrzeug schneller in die südlichen Landesteile vordringen, leisten die gebührenpflichtigen Autobahnen gute Dienste. Abgerechnet wird nach gefahrenen Kilometern, die Strecke Tarvisio - Napoli auf der Strada del Sole über Bologna, Florenz und Roma kommt auf 72 € (Stand 2018). Südlich von Neapel sind die Autobahnen kostenfrei.

Monte Aquila - Corno Grande

P Bergstation Funivia del Gran Sasso - Observatorium - Sella di Monte Aquila - W-Flanke Monte Aquila - Sella del Corno Grande - S-Grat „Via Direttissima“ (Stellen II) Corno Grande - Abstieg W-Grat „Via Cresta“ (Stellen I, 2 Stellen versichert; alternativ über den Normalweg über die schuttbedeckte NW-Flanke) - Sella Brecciaio - Sella di Monte Aquila - P.

ÜbersichtKarteder Gran Sasso d'Italia von NO, kurz vor der Einfahrt in den 10 km langen Autobahntunnel, der die Städte Teramo und L'Aquila verbindet; die beiden Röhren haben eine wilde Baugeschichte mit zahlreichen Todesopfern, die Kosten beliefen sich letztendlich auf das 40fache der bei der Planung geschätzten Summe. Neben den Durchstichen befindet sich ein Versuchslabor für Elementarteilchenphysik - die größte unterirdische Laboranlage der Erde

Die Abruzzen nehmen in der italienischen Bergwelt eine Art Sonderstellung ein, mancherorts fühlt man sich hier - im Vergleich zum sonst meist sanfteren Apennin - in wilde Teile der Kalkalpen versetzt. Das Angebot an lohnenden Unternehmungen ist dicht. Allein 300 Kletterrouten am Corno Piccolo, einem nordwestlichen Nebengipfel des „Großen Stein von Italien“; berüchtigte Bigwalls, beispielsweise die 1200 m hohe Nordwand des Monte Camicia oder die 1400 m hohe Gran-Sasso-Ostwand. Zu letzterer gibt es einen herrlichen Bericht in Karl Lukans Verrückt nach den Bergen aus dem Jahr 1970:
Abschiedsworte des einheimischen Wirtes: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie wiederkommen!“ -
Als die Einstiegswiese fast senkrecht wurde und wir intensiver ins Gras greifen mussten, wurde unser Klettertempo merklich langsamer. Nach jeweils 10 Metern mussten wir uns nämlich immer die Distelstacheln aus den Fingern ziehen. Noch langsamer wurde unser Klettertempo in der Wacholderwand. In ihr sind Wacholderstauden die einzigen verlässlichen Griffe. -
Der „Schmetterling“, das „Amphitheater“, „des zornigen Mannes Kante“. -
Die letzten 250 Meter zum Gipfel wurden für uns zu einer viel größeren Entfernung als die lumpigen 1200 Autokilometer von Wien zum Gran Sasso. Wir waren alle in den letzten Stunden sehr leise und sehr bescheiden geworden.
Auch dem Wanderer präsentieren sich die Abruzzen im besten Licht: In kaum einem anderen Landesteil ist das Wegenetz so gründlich markiert und beschildert wie hier. Die vorgestellte Rundtour enthält lohnende Zutaten für jeden Geschmack: Der gemütliche Jochbummler wird sich mit dem Monte Aquila begnügen, einem herrlichen Aussichtsberg haarscharf an der 2500-m-Grenze. Für ambitioniertere Geher ist die markierte, aber nicht versicherte Direttissima mit Ausstieg direkt am Gipfelkreuz des höchsten Apenningipfels ein freudvolles kleines Abenteuer, in der Schwierigkeit vergleichbar mit dem Peternpfad im Gesäuse.

Ulli und Ronja auf dem Campo Imperatore, der nach dem Stauferkaiser Friedrich II. benannten 80 km² großen Hochebene südlich des Gran Sasso; von Frühling bis Herbst werden hier ungepfercht Schafe, Kühe und Pferde aus den umliegenden Dörfern gehalten, die Landschaft diente schon als Schauplatz für ca. 20 Kinofilme. Im Hintergrund Monte Aquila (links) und Corno Grande, wir erklimmen die Berge von linkskurz hinter der Bergstation eines der ältesten Schigebiete Italiens mit dem Hotel Campo Imperatore (hier wurde 1943 Mussolini gefangen gehalten und durch eine deutsche Kommandoaktion befreit) liegt bei der Außenstelle des römischen Observatoriums unser Ausgangspunkt; erstes Ziel ist der flache Rücken des Monte Aquila (rechts)in langer, flacher Querung steigen wir erst auf die Sella di Monte AquilaBlick vom Sattel über den Hochtalkessel Campo Pericoli gegen Westen auf weitere schöne Wanderberge: links Pizzo Cefalone, rechts Pizzo d'Intermesolidie Weggabelung an der Sella: links hinüber zum Corno-Grande-Normalweg, rechts auf den Aquila bzw. zur „Direttissima“ (genaue Bildmitte)am Scheitel des Monte Aquila, 2498 m; die Fortsetzung des Kammes beschert eine der schönsten Überschreitungen im Apennin: ...... der „Sentiero del Centenario“ über Monte Brancastello und Monte Prena bis zum Monte Camiciaaber jetzt hinüber zum eigentlichen Höhepunkt der Abruzzen - dem Corno Grandeam runden Kamm leicht bergab in die Sella del Corno Grandeüber einen Schutthang in Serpentinen an einen Felsaufbau und links um ihn herumdahinter über einen Schuttgrat ...... vollends an die Südwand heranam Wandfuß (Il Sassone, 2610 m) abermals eine Wegteilung: rechts die Bänderquerung zum Bivacco Andrea Bafile (Klettersteig); wir wenden uns links der „Via direttissima“ zudie Einstiegsrinne der „Direttissima“: weniger loses Geröll, als man denken würde, griffiger Fels, einige Passagen IIüber einem Schuttband baut sich die etwas wulstige, kleingriffige Schlüsselstelle auf, kurz II+, aber nicht ausgesetztweiter oben immer entlang des schwach ausgeprägten Südgrats abwechslungsreich durch Rinnen und über Bänder und Wandstufen ...... direkt zum Kreuz auf der Vetta Occidentale, 2912 m, dem Hauptgipfel des Corno GrandeGipfelpanorama gegen den Uhrzeigersinn: nach SO zum Campo Imperatoreim Osten Vetta Centrale und Orientaleim Norden liegen im Schatten die Reste des Caldronegletschers (der südlichste Europas)den Abstieg nehmen wir über den netten WestgratBlick beim Abstieg gegen NW ins Val Maone; über die Schutthänge führt der Normalweg herauf, darüber Corno Piccoloweiter abwärts am Westgrat, markiert, Kletterstellen im 1. Grad, zwei Stellen versichertRückblick zum Cornoam Auslauf des Grates treffen wir auf den Normalweg; jenseits des tief eingeschnittenen Val Maone der Pizzo d'IntermesoliSella del Brecciaio, 2506 mder Rückweg zur Sella di Monte AquilaEnde Oktober weiden unten am Campo Imperatore noch die Kühean den Südabhängen des Campo Imperatore liegen etliche malerische Bergdörfer, wie beispielsweise Castel del Monteauf einem entlegenen Felsgipfel in 1460 m Höhe liegt die 1000 Jahre alte Rocca Calasciosie ist die höchstgelegene Burganlage des Apenningleich hinter den gedrungenen Rundtürmen ...... liegt in malerischer Lage auf einer begrünten Schulter das bezaubernde tempelartige Kirchlein Santa Maria della Pietà, mit achteckigem Grundriss aus dem 16. Jahrhundert; ganz links hinten noch einmal unser Corno Grande
(19.10.2018)

Literatur: Bauregger: Abruzzen. München: Rother Wanderführer 2014.

Weitere Touren in Italien (südlich der Alpen):

Cerveteri. Wanderung durch die weltberühmte etruskische Banditaccia-Nekropole (Colli Ceriti, Latium)
Chiarone. „Spigolo delle Lucertole“, 4 (Klettertour, Ligurischer Apennin)
Dorsale del Drago, 3 - Monte Acci (Klettertour/Bergtour, Sizilianische NW-Küste)
Finale Ligure (Klettergärten, Ligurischer Apennin)
Laterzaschlucht. - Felsnester über der Ionischen Küste
(Wandern und Klettern in Apulien, Kalabrien und der Basilikata) + VIDEO
Monte Catalfano. Kap Calavà. Aussichtsklippen zwischen Palermo und Messina (Wanderungen, Sizilianische N-Küste)
Monte Còfano. Elegantes Felshorn am Ende Italiens (Bergtour, Sizilianische NW-Küste) + VIDEO
Monte Conero. Due Sorelle (Küstenwanderung, Marken)
Monte Passo del Lupo - Monte Monaco. Überschreitung des Zingaro-Hauptkamms (Bergtour, Sizilianische NW-Küste)
Monte Penna. Am Hausberg des Hl. Franz von Assisi (Wanderung, Toskanischer Apennin)
Monte Titano. Auf dem kurzen Rückgrat eines Zwergstaats (Wanderung, Apennin, San Marino)
Rocca Sbarua, „Torinesi“, 5c+ (Klettertour, Cottische Alpen)
Sentiero degli Dei (Wanderung, Monti Lattari, Kampanien)
Sizilien - Klettergärten (San Vito lo Capo u. a.)
Zungri. Durch die Höhlensiedlung nahe Italiens Stiefelspitze (Wanderung, Poro-Plateau, Kalabrien)

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