Koryphásion, 125 m - Ochsenbauchbucht

Pýlos, Messenien, Peloponnes, Griechenland. Aufstieg 150 Hm.

P am Ende der Nehrung zwischen Navarínobucht und Giálovalagune (gut 10 km nordwestl. von Pýlos, 270 km südöstl. von Athen) - S-Kamm zum Gipfelkastell (Paleo Kástro) - Abstieg durch eine Mauerlücke in die N-Flanke, kurz versichert (A) - Nestorgrotte - Dünenlandschaft - Ochsenbauchbucht (Voidokiliábucht) - Rückweg zum P am Westrand der Giálovalagune.

ÜbersichtKartedie berühmte Ochsenbauchbucht zeigt die Form eines perfekten Omega

An die Seeschlacht von Navaríno - die letzte große Seeschlacht, die ausschließlich mit Segelschiffen geführt wurde - erinnern wir uns noch aus dem Schulunterricht: Im Herbst 1827 lieferten sich Engländer, Franzosen und Russen mit türkischen und ägyptischen Verbänden vor der Südwestküste des Peloponnes einen blutigen Kampf, durch den Griechenland endlich seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte. Trotz ihrer Übermacht erlitten die Türken beinahe zehnfache Verluste im Vergleich zu den Alliierten, was wiederum den darauf folgenden russisch-türkischen Krieg in den beiden Folgejahren beschleunigte.
Die heute so ruhige, malerische Bucht mit dem gemütlichen Landstädtchen Pýlos wird durch die schmale, felsige Insel Sphaktiría vom Ionischen Meer getrennt. Die Fortsetzung dieses natürlichen Schutzwalls bildet gegen Norden hin das Kap Koryphásion, welches wir auf unserer Wanderung zur Ochsenbauchbucht überschreiten. Dieses auch Voidokiliábucht genannte Naturjuwel in Form eines perfekten Omegas gilt als eine der schönsten Badeplätze Griechenlands.
Messene - im Altertum bedeutende Hauptstadt - hat sich in jüngster Zeit durch intensive Forschungen von einer archäologisch eher unbedeutenden Stätte zum umfangreichsten Grabungsgebiet Griechenlands gemausert und kann es in touristischer Hinsicht bald mit dem weiter nördlich gelegenen Olympía aufnehmen.
Links zu weiteren Wanderungen und Klettertouren in Griechenland im nature-classic-Bericht zum Olýmp.

das gemütliche 5000-Seelen-Landstädtchen Pýlos an der Navarínobucht verströmt eine angenehme Atmosphäre; die Bucht - Schauplatz der historisch bedeutsamen Seeschlacht von 1827 - wird durch die riffartige Insel Sphaktiría vom Ionischen Meer abgeschirmtbeim Bummel durch die reizvolle Innenstadt stolpert man am laufenden Band über urtypisch griechische Szenenan ihrer Nordseite wird die Navarínobucht durch eine lange Nehrung mit kilometerlangen Sandstränden von der dahinter liegenden Giálovalagune abgetrennt; im Hintergrund der Koryphásion, den wir von links nach rechts überschreitenwenige Meter neben dem Parkplatz am Pistenende nimmt Ronja noch schnell ein Bad, ...... bevor es an den relativ gemütlichen Aufstieg ...... zum Paleo Kástro am Gipfel des Kap Koryphásion gehtbei der ausgedehnten Burgruine angelangt, erkennt man noch zyklopische Mauerreste und Fundamente aus dem 4. Jahrhundert, Awaren und Franken bauten die Festung weiter ausdie besser erhaltenen Reste stammen meist aus venezianischer Zeit; die Burgmauer ...... ist über weite Strecken begehbar und umschließt etwa 2 Hektar; in der Verlängerung zur Mauer die Insel Sphaktiría, hinten links Pýloskurz vor dem Mauerabbruch verlassen wir die Umwallung über eine kleine Steintreppe ...... und erreichen auf schmalen Steigen durch dichte Vegetation die höchste Kuppe des breiten KapsBlick vom Gipfel gegen SO auf die sandige Nehrung zwischen Giálovalagune und Navarínobuchtdie flache Giálovalagune bietet für über 250 Vogelarten den südlichsten Zwischenstopp auf der Balkanhalbinsel, aber auch zahlreiche andere ausgefallene Spezies, wie etwa das Basiliskenchamäleon (Chamaeleo africanus), sind hier zu finden am Nordrand der ausgedehnten Gipfelkuppe stehen wir erstmals über der fantastischen Ochsenbauchbuchtdurch ein Loch in der Nordseite der Umfassungsmauer hangeln wir uns hinunter ...... auf einen schmalen, aussichtsreichen Steig, ...... der stellenweise gut gesichert ...... zur Nestorgrotte hinunterführt; der trinkfreudige, griechische Held war einst Herrscher von Pýlos, spielt in der Argonautensage, der Ilias und der Odyssee eine herausragende Rolle und soll hier seine Rinder gehalten habendie 20 m tiefe und knapp 15 m hohe Höhle liegt spektakulär genau oberhalb der OchsenbauchbuchtRückblick auf Abstieg und Nestorgrottedas felsdurchsetzte Terrain weicht urplötzlich einem Dünengebiet, ...... welches Ronja zu haarsträubenden Stunts herausfordertAbkühlung in der OchsenbauchbuchtRückweg am Westrand der Giálovalagune zum Parkplatzetwa 60 km weiter nordöstlich liegt tief im Landesinneren eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten auf dem Peloponnes: Messenewegen seiner abgeschiedenen Lage im Hinterland bis vor wenigen Jahren kaum beachtet, hat sich Messene jüngst zu einem Hotspot für Archäologen entwickeltdie Arbeiten auf dem weiträumigen Gelände sind noch längst nicht abgeschlossen, zahlreiche Funde - wie dieses Bodenmosaik eines antiken Privathauses - zeugen von einstiger Bedeutung und Reichtumdas Stadion war eins der größten im gesamten griechischen Raum, noch in spätrömischer Zeit fanden hier Gladiatorenkämpfe stattvon den 18 marmornen Sitzreihen wurden bis jetzt 12 restauriert; der hervorragende Sitzplatz ...... stand dem Herrscher zu. Ave Ronjaneben dem Stadion drei Stoen und Kultgebäude; das kegelförmige Dach dieses eigenartigen Grabmals erinnert an fernöstliche Architekturauch das Theater war mit seinem Durchmesser von beinahe 100 m eines der größten in der AntikeBlick übers Theater nach Süden; der breite Talkessel ...... wurde schon im 4. Jh. v. Chr. von einer fast 9 km langen Stadtmauer mit 30 Festungstürmen gesichertdas Arkadische Tor im Nordwesten hat sich über die Jahrtausende am besten erhalten
(06.05.2019)

Literatur: zahlreiche Reiseführer, z. B.
Siebenhaar: Peloponnes. Erlangen: Müller Verlag.
Engel: Peloponnes. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen. München: Rother Wanderführer.

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