Penna di Lúcchio - Monte Memoriante

Toskanischer Apennin, Bagni di Lucca, Italien. Aufstieg insges. 700 Hm.

P in Zato, dem Oberdorf von Lúcchio, knapp 50 km nö. von Lucca, erreichbar über Bagni di Lucca und das Tal der Lima – bez. Steig die Ostflanke der Penna querend auf den Calcinaie-Sattel – Südkamm Penna di Lúcchio – Abstieg NW-Kamm in die Sella del Romitorio – Südwand „Diretta“ (bez; II-) Monte Memoriante – Abstieg Südwand „Bänderweg“ (nicht leicht zu finden: keinesfalls zu tief in die Schrofenflanke absteigen, sondern schon im oberen Teil orogr. links (östl.) bis an die Baumgruppe nahe der Südkante queren, dann wieder Markierungen über Rampen und ausgesetzte Bänder (I+) zurück in die Sella del Romitorio – leicht absteigend Querung der Westflanke der Penna di Lúcchio – kurzer Aufstieg Le Calcinaie – Zato.

ÜbersichtKartedas Bergdorf Lúcchio klebt malerisch an den Steilhängen über der Limaschlucht; im Licht der aufgehenden Sonne links die Penna, rechts der kleine Buckel des schwierigeren Monte Memoriante

Nach unserer Rondinaio-Giovo-Überschreitung überqueren wir die Wasserscheide in den Süden und suchen unser nächstes Ziel über dem bereits zur Toskana gehörenden Limatal. Die heutigen Gipfel sind von den Grenzbergen kaum 15 km entfernt, wohl aber um 800 m niedriger. Obgleich ihre Kuppeln kaum über den Wald emporragen, sind sie aufgrund der kurzen Klettereinlagen alpinistisch nicht uninteressant. Solange der Abstieg vom Monte Memoriante nicht besser markiert ist, braucht es sogar einiges Gespür fürs Gelände: Versäumt man die hoch ansetzende Querung und steigt man zu weit in die steile Schrofenflanke ab, ist der nahe Waldboden ohne Abseilen schwerlich zu erreichen.
Alles in allem eine spannende Halbtagestour in reizvoller, eher schluchtiger Umgebung mit vielen verträumten, teils schon verlassen anmutenden Bergnestern.

Fiumalbo, der letzte größere Ort an der Auffahrt von Modena zum Passo Abetone am Hauptkamm des Apennin; die schiefergedeckten Hausdächer erinnern an die Bergdörfer auf der Insel Thassos in der nördlichen Ägäis (s. Archiv Bergsteigen unter Ypsárion - Profitis Ilías)das tief eingeschnittene Limatal in der Apennin-Südabdachung; das weitläufige Waldgebirge wird hier durch schroffe Felsbuckel aufgewertet - zwei von ihnen werden wir jetzt überschreitenein steiles Bergsträßchen führt aus dem engen Tal hinauf - vorbei am pittoresken Dorf Lúcchio - ...... zum Weiler Zato, quasi dem Oberdorf von Lúcchiodas archaisch anmutende Dörfchen wirkt verlassen; rechts der kleineren türkisen Abdeckung hinter Ulli ...... gelangt man durch einen versteckten Hausdurchgang ...... in die Gärten an der Rückseite der Häuserfront. Falls man den Steig oberhalb der Wiesen nicht gleich findet, einfach weglos gerade durch Buschwerk und Wald hinauf ...... zum markierten Weg Lúcchio - Le Calcinaie. Alternativ das ganze Dorf durchqueren und geradeaus weiter, bis man auf den Steig trifftauf dem Sattel Le Calcinaie; von links kommt der Aufstieg aus Pontito, bei der hinteren Kuh tauchen wir am Rückweg auf, jetzt halten wir uns rechts ...... gegen den Südkamm der Pennaetwas weiter oben wird der Kamm zum aussichtsreichen Gratam Gipfel der Penna di LúcchioGipfelkreuz mit Blick gegen OstenBlick vom Gipfel hinunter auf das namensgebende Dorf und das Knie im Oberlauf der Lima hinauf zum Passo Abetoneim Nordwesten der 25 m niedrigere Monte Memoriante - unser nächstes Ziel - und genau darüber ganz hinten der gestern bestiegene Monte Rondinaio am HauptkammAbstieg am Penna-Nordkamm; der gegenüber liegende Aufstieg erfolgt schnurgerade durch die dreieckige Memoriante-Südwand, der etwas leichtere Abstieg im Bogen links davonin der bewaldeten Sella del Romitoriowenige Schritte dahinter beginnt der direkte Aufstieg durch die Memoriante-Südwandder Einstieg zur „Diretta“ ist kaum zu verfehlen, die strengsten Züge sind gleich zu Beginnauch der weitere Wegverlauf über gutmütige Rampen und Rinnen ist dank der Markierungen recht übersichtlichUlli am Ausstieg, links die Penna, welche wir am Rückweg rechts umgehenÜbergang vom Vor- zum Hauptgipfel des Monte MemorianteGipfelblick gegen Norden auf die beiden Dörfer Limano und Vico Pancellorum, ganz links hinten wieder der Monte Rondinaiogegen Nordwesten schließlich die Alpi Apuane mit den schroffsten und eindrucksvollsten Bergformen der Toskanabeim Abstieg keinesfalls zu tief in die steilen Schrofen der Südflanke absteigen, sondern auf eine kleine Schulter unterhalb einer Baumgruppe nahe der Südkante zuhalten ...... und von dort ziemlich eindeutig den Markierungen folgend ...... über Rampen und Bänder zurück in die Sella; das Abklettern über die schon bekannte „Diretta“ ist kaum schwierigerder Südflanken-Abstieg verläuft von der Schulter links der Kante in Bildmitte; wer genau schaut, sieht Ullis orange Kletterhose leuchtenein netter Steig quert die Westflanke der Pennaanschließend mit 10 Minuten Gegenaufstieg zurück zum Sattel Le Calcinaie und hinunter nach Zatonoch ein paar Eindrücke von unserer Weiterfahrt zum Tyrrhenischen Meer: Kurz hinter dem einstmals weltberühmten Kurort Bagni di Lucca treffen wir in Borgo a Mozzano auf die Ponte della Maddalena, auch Teufelsbrücke. Laut einer Sage wollte Il Diabolo eine Brücke über den Serchio bauen, wenn er dafür die Seele des ersten Passanten bekäme. Die Einheimischen schickten nach der Fertigstellung einen Hund hinübersehr zu empfehlen ein Zwischenstopp in Lucca: auf der ovalen Piazza del Mercato stand einst ein römisches Amphitheater, bis die Anwohner dessen Steine für die eigenen Häuser verbautenneben dem Dom die bedeutendste Kirche in Lucca: San Michele in Foro mit seiner üppigen Fassade, anstelle des antiken römischen Forumseine Gaudi für Groß und Klein: mit der Rikscha auf der vollständig erhaltenen, ca. 10 m hohen Stadtmauer rund um die gesamte Altstadt (4,2 km)natürlich sollte man auch Pisa gesehen haben. Das Kirchlein Santa Maria della Spina am Arno wurde um 1325 eigens zur Aufbewahrung einer wertvollen Reliquie erbaut: eines Dorns der Christuskroneden Schiefen Turm wird man sicher nicht auslassen wollenwenn man in Livorno, dem zweitgrößten Hafen Italiens, aufs Schiff wartet, sei es um nach Elba, Korsika, Sardinien oder Sizilien überzusetzen, sollte man auch einmal der Innenstadt einen Besuch abstatten: über den Kanälen des Viertels Venezia Nuova die achteckige Kirche Santa Caterina (18. Jh.)jetzt hält uns nichts mehr am Festland, in ca. 20 Stunden ...... wird uns der Lotse in Palermo erwartenAbendstimmung im Camp El Bahira bei San Vito lo Capo auf der Zingaro-Halbinsel, NW-Sizilien; Blick auf den Monte Cofano (s. Archiv)

(17.10.2021)

Literatur: Heitzmann/Gabriel: Toskana Nord. Florenz – Apennin - Apuanische Alpen. München: Rother Wanderführer 2016. Hier wird der etwas längere Zustieg von der südlich gelegenen Ortschaft Pontito beschrieben, sinnvoll bei der Anfahrt aus Pescia.
Für Kletterer: Gianetti: Toskana und Elba. 91 Klettergärten zwischen Apuanen und Argentario. Mailand: Edizioni Versante Sud, 5. Auflage 2020.
Ganz in der Nähe befinden sich drei Klettergärten: einer davon direkt an der Penna di Lúcchio – bislang 24 Routen mit bis zu 3 Seillängen zwischen 4c und 7a+, der zweite unten im Tal beim Schild Km63 (Sasso dell'Inferno, Zustieg 1 Minute links oberhalb der Straße, allerdings nur 8 Routen von 6b bis 7c).
Cocciglia liegt nur wenige Kilometer weiter nordwestlich, die 44 Routen (5c bis 8a) konnten wir trotz stundenlanger Suche nicht aufspüren (allerdings mit der 1. Auflage von 2003, der Umfang des Führers hat sich seither mehr als verdoppelt, auch die Zustiege sind detaillierter beschrieben, viel Glück!).
Und dann gibt es auf dem Weg zum Meer zwischen Lucca und Pisa noch den Klettergarten Vecchiano (245 Routen in allen Schwierigkeitsgraden) - einer der ältesten in der Toskana, großteils sehr gut saniert. Naturgemäß sind die einfacheren Wege schon ziemlich abgespeckt, wir haben die beiden weitläufigen Sektoren links und rechts eines mittelalterlichen Wachturms trotzdem gemocht.

Links zu weiteren Wanderungen und Klettertouren in Italien (südlich der Alpen) im nature-classic-Bericht zum Corno Grande.

© 2018 Ulli & Erich Haderer | nature-classic@gmx.at

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