Iseltrail, 650-2500 m

Lienz bis Iselursprung, Hohe Tauern, Osttirol. Aufstieg 2100 Hm, 73,7 km Traillänge (59 km Flusslänge).

Lienz – Ainet - St. Johann im Walde – Huben – Matrei – Virgen – Prägraten – Hinterbichl – Umbalfälle – Clarahütte – Gletschertor – Hinterbichl – Bus zurück nach Lienz. Die gesamte Strecke wird üblicherweise in 5 Etappen begangen.

ÜbersichtKartemittels solcher Wegtafeln ist der gesamte, fast 75 km lange Trail perfekt ausgeschildertStartpunkt des Trails ist die Sonnenstadt Lienz, hier die Spitalsbrücke mit den Lienzer Dolomiten

Für Weitwanderer stellt der Iseltrail in vielerlei Hinsicht ein besonderes Gustostück dar: Entlang des letzten frei fließenden Gletscherflusses der Ostalpen, des längsten und wasserreichsten Osttirols, durchwandern wir drei Höhenstufen der Vegetation und vier Gebirgsgruppen der Hohen Tauern mit sechs geologischen Gesteinseinheiten. Vom Mündungsfels am Zusammenfluss mit der Drau bis zur Quelle im Eis der Venedigergruppe (Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern) erwarten uns neben beeindruckenden Landschaften Besonderheiten verschiedenster Art, botanische wie kulturelle, aber auch das Abenteuer kommt nicht zu kurz: Die Länge der Hängebrücke über die Iselschlucht entspricht ziemlich genau dem Abgrund unter uns, für Ängstliche gibt es eine harmlose Alternative.
Oft werden die einzelnen Etappen von einer fixen Unterkunft aus mit Busunterstützung angegangen. Wir bevorzugen die Übernachtung auf den Campingplätzen in Ainet, Matrei und Hinterbichl, wo auch für das leibliche Wohl gesorgt ist. In der hochalpinen Region bietet die Clarahütte einen gastlichen Stützpunkt. Falls nur beschränkt Zeit zur Verfügung steht, ist am ehesten die Strecke zwischen Ainet und Huben verzichtbar, da sie über kilometerlange Staubstraßen entlang einer Hochspannungsleitung führt. Dafür werden sich alpinistisch angehauchte Besucher kaum so schnell von der Clarahütte verabschieden können. Sie wird umringt von zahlreichen imposanten 3000ern, wie etwa Rötspitze oder Dreiherrenspitze, welche den Großteil an Wassermassen für die gewaltigen Umbalfälle liefern.
Unser Bericht ist früh im Jahr entstanden, weswegen das Bildmaterial bislang nur die ersten drei Etappen zwischen Lienz und Hinterbichl umfasst. Ergänzung folgt.

keine 15 Gehminuten vom Lienzer Bahnhof mündet die Isel in die Drau - das milchige Wasser verrät dem Fachmann sogleich den Gletscherfluss; gleich jenseits des Draustegs ...... der Mündungsfels, an dem unser Trail beginnt; überragt wird er von der 2904 m hohen Schleinitz, einem Hausberg der Lienzer (s. Archiv)man sollte besser nicht sofort entlang der Isel davonspurten - ein Blick ins Zentrum der entzückenden Stadt lohnt sich in jedem Fall; Hauptplatz mit Liebburgmildes Klima und die herrliche Umrahmung von gleich vier gewaltigen Gebirgsgruppen haben Lienz den Beinamen „Sonnenstadt“ eingebracht; stadtaus am Rechten IselwegLienz ist nicht zuletzt auch Kunststadt: der „Stein der Weisen“ auf dem Gelände des MCI-Campus gleich hinter der Pfarrbrücke, welcher den Einstieg in ein technisches Studium vor Ort ermöglichtauf dem Poetensteig verlassen wir das Stadtgebiet; Blick auf Schloss Bruck und den Hochsteinvon Beginn an ist der Iseltrail mit detailreichen Infotafeln ausgestattet; hier an der Aussichtsplattform Pfisteran der Tagger-Lutz-Brücke beginnt ...... der sogenannte Katzensteig, ...... der gekonnt das hier steile Flussufer überlistetam Rastplatz Iselstrand wird in der Ferne die Venedigergruppe der Hohen Tauern sichtbar, an der wir uns in weiterer Folge nach links gegen Westen dem Hochgebirge zuwenden werdenfeine Rastplätze sind am Iseltrail dicht gesät; voraus die Glanzer BrückeAussichtskanzeln - wie hier gegen die Schobergruppe - ...... und robuste Metallkonstruktionen erleichtern das Überwinden steilerer Uferpassagengleich neben der Schlaitner Brücke bei Ainet befindet sich ein netter Campingplatz, auf dem man auch verköstigt wird - ein perfekter Stopp für Wanderer, welche am Vormittag nach Lienz angereist sind und noch in der zweiten Tageshälfte den Trail in Angriff nehmen wolleneineinhalb Kilometer weiter passieren wir einen kleinen, aber feinen Familienklettergarten der AV-Sektion Lienz (s. Archiv Klettern unter Schlaiten)eine Viertelstunde oberhalb der Isel stürzt der Daberer Wasserfall zu Tal; die Schlucht bietet auch Gelegenheit zum CanyoningWanderstempel in St. Johann im Walde; viele beenden hier die erste Etappe des Trailswir wollen aber heute noch weiter bis Matrei; gleich hinter St. Johann stoßen wir auf einen kleinen See mit ersten Skulpturen am Trailetliche Straßenkilometer weiter mündet das Defereggen- ins Iseltal; auch hier hinten ein kleiner Klettergarten (s. Archiv Klettern unter Schwarzach- und Unterpeischlacher Klamm); ansonsten sehen wir die Strecke zwischen Ainet und Huben als „Durststrecke“ des Iseltrails, auf die man bei Zeitmangel am ehesten verzichten kannab Huben wird es wieder interessanter: noch vor der Kirche und dem Feuerwehrhaus(!) müssen wir auf die andere Iselseite. Vorsicht, der auf den Infotafeln verzeichnete Wegverlauf kann einen falschen Eindruck vermittelnauf dem alten Kohlweg ...... weiter zum Feldner Katarakt; von hier geht es merklich steiler als bisher über die Ortschaft Feld (Einkehrmöglichkeit) ...... hinauf ins Talbecken von Matrei, wo wir anderntags gegen Westen ins Virgental abbiegen; das Ziel unseres Trails - die Iselquelle - liegt von hier aus gesehen genau hinter den Malhamspitzen, welche wir übermorgen linksseitig durchs Umbaltal umrunden werdenfrühmorgens an der Zellbrücke bei Matrei in Osttirol; die ersten Sonnenstrahlen erreichen soeben die Gipfel der Granatspitzgruppe, links Nussingkogel und Bretterwand (beide s. Archiv Bergsteigen)auf der Nordseite des Eingangs zum Virgental der Frosnitzkamm mit dem südöstlichsten 3000er der Venedigergruppe, dem Ochsenbug (dessen Überschreitung s. ebenfalls im Archiv)gegen Westen der Blick weiter hinein ins Virgental; der Bergerkogel ist auch im Winter sehr beliebt (s. Archiv Schitouren)wieder wechseln wir das Ufer ...... auf den idyllischen Virgener Auenweg, der einen starken Kontrast ...... zu den sehr selten bestiegenen wilden Gesellen des Frosnitzkamms bildetum Virgen wird das Tal wieder weiter ...... und bietet ausreichend Platz für den „Virgener Skulpturenpark“, ...... den wir am Iseltrail vollständig durchquerenneben modernen Objekten werden hier auch antike Vorbilder neu aufgegriffen, wie etwa Sokrates: „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden“Osttiroler und renommierte Gastkünstler haben sich hier in einer ehemaligen Säge mit einer Steinbildhauerwerkstatt einen Freiraum geschaffen, ...... in welchem tonnenschwere Steine in kunstvolle Skulpturen verwandelt werden, Natur zu Kunst wird; hier geht's weiter am Iseltrailhinter dem Skulpturenpark müssen wir nahe dem Eingang der Iselschlucht den Fluss verlassen und steigen hinauf zur Ortschaft Welzelach, ...... wo wir uns einem weiteren Höhepunkt des Trails nähern; ängstlichere Gemüter nehmen die kürzere Alternativroute, ...... wir steigen den bei Nässe etwas unangenehmen Waldsteig steil hinunter auf den Grund der Schlucht, ...... überqueren abermals die Isel ...... und erklimmen den Gegenhang rechts hinauf ...... zu einer idyllischen Almwiese mit Blick auf Wunwand und WunspitzeRückblick über die Schlucht auf Welzelach; am jenseitigen Gebirgszug wartet die nächste mehrtägige Wanderung: der Lasörling-Höhenwegnur wenige Schritte weiter ein prominentes Schaustück des Iseltrails: ...... die 86 m lange Hängebrücke über die Iselschluchtdas imposante Bauwerk wurde 2020 errichtet, die Projektkosten beliefen sich auf 500.000 €die Länge der Brücke entspricht in etwa ...... der Tiefe des AbgrundsRückblick auf die Brücke, ...... die wegen der leichten Erreichbarkeit auch für weniger Sportliche ein begehrtes Ziel darstelltwieder auf der Südseite der Isel erhält man einen Eindruck, wie die Landstraße zwischen Virgen und Prägraten die Seitenarme der Schlucht überlistetRückblick auf die Hängebrückeab seiner dritten Etappe sollte man den Iseltrail nicht zu früh im Jahr begehen, da Schnee und Eis auf schmalen Steigabschnitten noch im April Schwierigkeiten bereiten können; Hangquerung aus der oberen Iselschluchtvor Prägraten öffnet sich die Schluchtder Vordere Sajatkopf; die „Prägratner Sonnenplatten“ aus herrlichem Grünschiefer sind ein beliebtes Genussklettergebiet für den mittleren Schwierigkeitsgrad (s. Archiv Klettern)unterhalb der kleinen Ortschaft Bichl verengt sich das Tal und spaltet sich in mehrere Seitentäler aufdie Kapelle St. Crysanth und Sebastian in Hinterbichl; das hier nach Norden abzweigende Dorfer Tal unter Finsterwitzkopf (s. Archiv) und Schlüsselspitze führt hinauf zu Johannishütte und Defregger Haus am Normalanstieg zum Großvenediger (eine großzügige Mehrtagesüberschreitung s. Archiv Schitouren)in Hinterbichl findet sich wieder ein netter Campingplatz, von dem man die letzten beiden Etappen durchs Umbaltal ins Reich der 3000er zur Iselquelle in Angriff nehmen kann; hinten überm Taleinschnitt das Hohe Kreuz, 3159 m, an dem wir rechts vorbei zur Clarahütte marschieren werdendie vierte Trailetappe über die berühmten Umbalfälle ist in der kalten Jahreszeit wegen großer Lawinengefahr meist unbegehbar, ...... weshalb wir die Reststrecke zum Iselursprung so bald wie möglich ergänzen; mehr eisige Eindrücke von den Fällen und den Verhältnissen weiter oben - selbst in schneearmen Wintern - vermittelt unsere winterliche Besteigung der Ogasilspitze (s. Archiv Bergsteigen)
(04.2026)

Literatur: Mair: Am Iseltrail. Vom Mündungsfels zur Quelle im Eis. Lienz: Tourismusverband Osttirol 2024.
Muhar/Michor/Stöhr/Unterlercher: Die Isel. Gletscherfluss in der Kulturlandschaft. Innsbruck: Michael Wagner Verlag 2024.

 

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